3 Zur Geschichte des Friedrichsgymnasrums Vorwort. 2lls im Juni iory der Verband der Alten Herren des Primaner- gesangvereins sich zu einem Verein ehemaliger Friedrichsgymnasiasien erweitern wollte, wurde ich aufgefordert, in der Gründungsversammlung einen kurzen über ­ blick über die Geschichte der Anstalt zu geben. Als Duelle benutzte ich bis zum Iabrc iS)5 das Werk von Aarl Friedrich Weber „Geschichte der Städtischen Gc- lehrtenschule zu Rassel" 184c-. Außer den einschlägigen Akten und Urkunden, die heute im Staatsarchiv zu Marburg, in der Murhardbibliothck (Stadtarchiv), im hiesigen Ronsisiorium und in dem jetzt neu geordneten Archiv des Friedrichsgymnasiums auf ­ bewahrt werden, hat Weber eine reiche Literatur, die in der Einleitung im einzelnen angegeben wird, gewissenhaft durchgearbeitet, und seine Darstellung konnte daher als zuverlässig gelten. Für die spätere Zeit standen mir, abgesehen von persön ­ lichen Erinnerungen und Auszeichnungen, die annähernd so Jahre zurückreichen, die Jahresberichte, Personalakten und Ronsercnzprotokolle der Anstalt zur Ver ­ fügung. — Die bevorstehende 150jährige Jubelfeier des Gymnasiums gibt mir Veranlassung, den damals in kleinem Rrcise gehaltenen Vortrag zu einem etwas eingehenderen Bericht zu erweitern. Ich habe mich zu diesem Beitrag für die Festschrift um so lieber bereit erklärt, als ich annehme, daß manchem alten Schüler ein kurzer überblick über die Geschichte der Schule, in der er einen Teil seiner Jugend verbracht hat, nicht unwillkommen sein wird. Möge die Zusammenstellung, die nur diesen praktischen Zweck im Auge hat, dazu dienen, das Band zwischen den alten Schülern und dem ehrwürdigen Lrceum Fridericianum enger zu schließen, und mögen, wenn der nüchterne Text des Chronisten die wünsche und Erwartungen des Lesers nicht befriedigt, wenigstens die beigefügten Bilder dazu dienen, liebe alte Erinnerungen wachzurufen. P. I. Die Raffeler Stadtschule 1. Vorgeschichte wenn wir auch die Geschichte unseres Gymnasiums nicht wie Rarl Friedrich Weber in seinem bekannten Werk über die städtische Gelebrtenschule zu Rassel bis zu dem Gründungsjahre des Rlosters Amöneburg (722) zurück ­ führen wollen, so können wir ihm doch darin recht geben, daß winfried- Bonifatius als der Begründer aller Rultur in festen anzusehen ist und daß die von ihm gestifteten Rlöster wiege und Ausgangspunkt auch aller Schul ­ bildung in unserem Lande gewesen sind. Die beiden alten Rloster unserer Stadt sind zwar nicht von ihm selbst gegründet, sondern erst wesentlich später entstanden, das Almaberger im Jahre 1140 und das Rarmeliterkloster )zOz, aber die Vorbilder für ibre Schuleinrichtungen waren jedenfalls die Muster- schulen in Fritzlar, Uersfeld und vor allem in Fulda, wo einst Hrabanus Maurus gewaltet hatte, den man nicht mit Unrecht als den Schöpfer des deutschen Schulwesens bezeichnet bat. — Heben diesen Rlosterschulen, die