199 warfen. Tausende von Menschert sahen zu, wie sie einzeln auf dem Wasser herumschwammen, keineswegs aber, was bis dahin unerhört gewesen war, untersanken. Diesem Schauspiel wohnte auch Scribonius bei, im höchsten Grade über bcu Vorgang sich wundernd. Er wußte bisher nur, daß man bei mehreren Völkern die s. g. Wasserprobe zur Anwerbung bringe und annehme, daß die, welche schwimmen, für unschuldig, die, welche untertauchten, aber für schuldig erklärt wurden. Cr dachte über den Grund der vorgekommenen Erscheinung genauer nach zumal da der Rath der Stadt Lemgo ihn ersucht hatte, seine Ansicht über dieselbe ihnen schriftlich mitzutheilen. Er kommt in der Hauptsache zu dem Re ­ sultate, daß nach physikalischem Gesetze leichtere Sachen schwimnu'n, der Körper der Hexen durch den demselben innewohnenden und von dem Teufel besessenen gänzlich verändert und ganz leicht ge ­ worden sei. Die Wasserprobe beruhe daher auf ganz veruunft- gemäßen Gründen, und er billige die zu Lemgo dort gewöhnliche Anwendung derselben. Diese in einem Briefe an den Magistrat zu Lemgo -ausgesprochene Ansicht fand aber sofort ihre Gegner. Zuerst sprach sich noch in demselben Jahre Rudolf Gockel in einer zu Marburg 1583 gehaltenen Rede: de natura Sagarum contra Scribonium aus. Ihm folgte 1584 der Prof, der Medizin am Gymnasiunt zu Bremen Dr. E w i ch in seiner Schrift: 0« Sa ­ garum natura, arte, viribus et faciis, Breuiae 1584, und der Pros. H. Neuwald zu Helmstädt. Als Scribonius diese beiden letzteren Schriften zugeschickt erhielt, wollte er zunächst darauf nicht antworten, da jedoch auch im Waldeckischen einige Hexen ange ­ klagt und zum Tode verurtheilt wurden, bat wart ihn wiederholt, seine Ansicht, insbesondere auch über die Wasserprobe, ausführ ­ licher mitzutheilen. In Folge hiervon erschien sein Buch: Oe Sagarum natura et potestate etc. In diesem Werke vertheidigt er den Glauben an die Hexen, als vom Satan besessene Personen, spricht von ihren durch Erfahrung und Eingestäitdniß bestätigten Werken, vertheidigt nochmals die Wasserprobe und die Todesstrafe der gerichtlich Verurtheilten. Abermals erschien'gegen ihn 1597: Ottonis iVielandri Resolutio praecipuarum quaestiomtm criminalis ad versus Sagas processus cum refutatione purgationis