so hatte er sofort einen anderen Gedanken, der gleich gut und gleich werth war, aber verwirklicht werden konnte. So war er im Herzen nie enttäuscht. Seine Liebe kannte keine Grenze, sie hatte keine Schranke im Glauben, in der Nationalität. Es war noch sein letztes Werk, daß er in Grindelwald für Schweizer Christen, die durch den Brand verunglückt waren in ihrem Besitz, sammelte und ihnen reichlich zuwenden konnte; und wir er ­ innern uns vor mehreren Jahren, als die Noth unserer russischen Glaubensbrüder noch nicht unser Herz bewegte, wie konnte er damals schon für die geschmähten polnischen Juden ein ­ treten! Wie konnte er unser Herz bewegen, uns den Schleier fortreißen, der vor den Augen war, daß wir in den armen unglücklichen zerlumpten Gestalten den Menschen, den elenden Menschen, den Bruder wieder erkannten! So machte er nicht Halt mit seiner Liebe vor den Thoren der Stadt, seine Liebe gehörte der Welt. Soll ich noch seine Persönlichkeit, wie sie sich im Kleinen gab, Euch vorführen? sein liebenswürdiges, freundliches Wesen, seine heitere Natur? Wie er auch in heiteren Stunden der Erste war, wie er witzsprühend sprechen konnte, hinreißen konnte zum Lacheu, zur Heiterkeit, und wie poetisch er war, wie er mit seinen Enkeln sprechen konnte, wie er für seine Enkel naive Berschen machen konnte, um Eltern und Groß ­ eltern zu erfreuen? Er war eine reine große Natur, groß auch, wenn er in kleiner Arbeit thätig war, groß überall. So war er uns, und was wird er uns sein? Seht, lieben Freunde, ich bringe Euch sein Vermächtniß. Als noch der Engel des Todes ihm nicht genaht, als noch keine Furcht unser Herz beklemmte, einen Tag vor seinem Tode war ich bei ihm, und ich fand ihn in der rüstigen.