5 seinem Gemüth, dessen Güte und Lauterkeit fast unvergleichlich war, seinem Herzen stand ein besonnener Geist zur Hülfe, und beide beherrschten mit überlegenem Blick in die Zukunft alles, was in ihm glühte, alles, was an Fähigkeiten in ihm lebte und sich regte. Alles Wollen und alles Können in ihm stand immer bereit zur Verfügung dem regen Geist, der die Herrschaft über sich und über Alles in ihm mit mächtiger männlicher Hand führte. So wie seine äußere Erscheinung war sein inneres Wesen: fest, in einander gefügt, gerade, aufrecht und beweglich, so war Alles an ihm und Alles in ihm. Die Selbständigkeit in seinen Ueberzeugungen und Anschauungen war gepaart mit einer unbegrenzten Duld ­ samkeit; aber Ferdinand Gamburgs Duldsamkeit war nicht eine Duldung, die der Geduldete als solche empfinden konnte, es war nicht eine Duldung, bei der der Gewährende ein Opfer brachte, sondern es war jene menschenfreundliche liebevolle Anerkennung alles Andern, was er als ehrlichen und redlichen Ansdruck innerer Ueberzeugung erkannt hatte. Mit schonungslosem, unerschrockenem Freimuth verband er die freundlichste Ritterlichkeit und Liebenswürdigkeit, mit der vollendeten Männlichkeit eine fast kindliche Lauterkeit des Gemüths, mit der weitgehendsten Entfaltung seiner Gaben eine fast unberührte Ursprünglichkeit in dem Emp ­ finden. Das war G am bürg der Mensch, das war G am bürg der Freund, das war G am bürg der Jude. Der Jude — Trauernde Versammlung! Von Jakob erzählt die heilige Schrift, daß er gerungen hat mit einem Sendboten Gottes. Er ist von dem Sendboten des Herrn zwar verletzt worden an seiner Hüfte, aber besiegt ist er nicht von ihm worden, er hat gesiegt, Jakob, darum erhielt er den Namen Israel. Das ist das Vorbild für den Israeliten, das ist