Seiten der Kastenais- und Müllergaff» umfaßte. Der Anger, auf dem man die jährlich in bestimmter Zahl zu erschlagenden XUölfe ablieferte, heißt aber heute noch Wolfsanger?) — Endlich wirft der Dame der Stadt selbst auf ihre älteste Geschichte ein geringes Eicht. 1 2 ) Jn der einen der beiden Urkunden von 913 wird er Chassalla, in der anderen Chassella geschrieben. Jhm liegt, wie zahlreiche analoge Beispiele dartun, das aus dem Eateinischcn ent ­ nommene deutsche Lehnwort castella, die in das genus femininum überge- ­ tretene Pluralform von castellum, zugrunde, mit welchem Wort man ein festes, burgartiges Haus bezeichnete. An ein römisches Kastell ist hierbei nicht zu denken. Wie die Pranken und von diesen wieder die Sachsen den Bau fester Häuser an den zahlreich überall noch vorhandenen römischen Kastellen erlernt hatten; wie erstere bei ihrem Eindringen in das römische Gebiet auch überall noch die Baumeister vorfanden, die den Burgenbau verstanden, so nahmen sie zugleich diesen wie die andern technischen Ausdrücke dafür als z. B. Mauer, Turm, Kalk, Mörtel, Ziegel usw. aus der Sprache ihrer Eehr- meister herüber, sie wie die zahlreichen anderen Eehnwörter nach der ihrigen umbildend. Sie legten demnach auch nach germanischer Weife den Ton auf die drittletzte Silbe: castella, und hieraus wurde unter Assimilierung des ft zu ff (vergl. engl, castle) Cassalla oder — da der Kanzler König Konrads, Salomo mit Hamen, vermutlich ein Oberdeutscher war — Chassalla. 3 ) Später vorkommende Formen, wie Cassalün, Caslen, Casle, sind der von der Prä- ­ position zu (ze) abhängig zu denkende Dativ (Edw. Schröder). Ein festes Haus also, mit Wall und Graben und einer Palisadenwand umzogen, gab unserer Stadt den Hamen. Dieses Haus, aus Holz gezimmert im Oberbau und wohl einem massiven Erdgeschoß — denn castella wird einmal in einer Glosse mit dem althochdeutschen Wort kizimbri wiedergegeben — kann nicht wohl an anderer Stelle gesucht werden als auf der Höhe über der Fulda, wo später sich die landgräfliche Burg erhob und jetzt das Regierungs ­ gebäude steht. Es ward ursprünglich wohl zum Schutze der fränkischen Um- ­ wohner gegen die Einfälle der Sackten errichtet, deren Wohnsitze ja nur wenige Wegstunden nördlich von Cassel beginnen, sowie zur Sicherung der sich in seiner unmittelbaren Hähe kreuzenden Heerstraßen und zur Deckung der Schiffahrt auf der Fulda. Dann aber diente es auch, wenn wir aus späteren Verhältnissen auf ältere zurückschließen dürfen, dazu, der Erhebung des Zolles 1) Beides nach einer von Dr. W. Lange dahier aufgestellten ansprechenden Vermutung. 2) Siehe Jakob Grimm in der Zeitschrift für deutsches Altertum, Bd. 7, S. 476. 3) Die Lautverschiebung (k : h) machte dieses Lehnwort ebensowenig noch mit wie Kiste, Keller u. a. 2