319 Zu gleicher Zeit war in der allgemeinen Verwirrung auch eine Anzahl Baugefangener aus dem Stockhause losgebrochen, und begann hie und da in den Häusern zu plündern; wie denn auch das meinige von diesem Schicksal getroffen wurde: bis der thätige Eifer des Militärs die versprengte Rotte wieder einsing und für die allgemeine Sicherheit unschädlich machte. Heinrich. Da kommt ja Unglück von allen Seiten. Nettelbeck. Um so wichtiger war es uns, einen so ausgezeichneten Commandanten zu haben. So besonnen, wo es Handeln galt; so allgegenwärtig gleichsam, wo eine Gefahr nahte, und so beharrlich, wo nur die unabgespannte Kraft zum Ziele führen konnte, wie der Commandant in dieser furchtbaren Nacht sich zeigte, hatte er immer und überall, seit dem ersten Augenblick seines Auftretens, sich erwiesen. Seit Wochen schon war er so wenig in ein Bett, als aus den Kleidern gekommen. Nur einzelne Stun ­ den, die er ungern der Thätigkeit auf den Wällen unter dem heftigsten Kugelregen abbrach, ruhte er auf einer Pritsche in einem armseligen Gemach über dem Lauen ­ burger Thore: aber jeden Augenblick bereit, mich oder Andre anzuhören, wenn wir ihm etwas von Wichtigkeit zu melden hatten. Vater und Freund des Soldaten, wie des Bürgers, hielt er Beider Herzen durch den milden Ernst seines Wesens, wie durch theilnehmende Freundlich ­ keit, gefesselt. Jeder seiner Anordnungen folgte das un ­ bedingteste Zutrauen. Am 2. Juli ward uns vom Feinde dergestalt zuge ­ setzt, daß Niemand mehr wußte, ob es dringender sek, dem Feinde von außen zu wehren, oder die Flammen zu löschen, oder das eigne kümmerliche Leben vor den rings umher sausenden Feuerbätten zu wahren.