314 Nettelbeck. Alles, was von Anbeginn der Bela, gerung bis jetzt vom Feinde gegen uns unternommen worden, mochte indeß nur als ein leichtes Vorspiel von demjenigen gelten, wozu die dritte Morgenstunde des 1. Juli die Loosung gab. Denn mit derselben eröffnet ­ er aus all seinen zahlreichen Batterien ein Feuer gegen die Stadt, so ununterbrochen, so von allen Seiten kreuzend und so mörderisch und zerstörend, wie wir es noch nimmer erlebt hatten. Die Erde dröhnte davon unter unsern Füßen; und man kann ohne Uebertreibung sagen, daß es rings um uns war, als ob die Welt vergehen sollte. Sichtbar legten unsre Gegner es darauf an, uns durch ihr Bombardement zwischen dem engen Raume unsrer Wälle dergestalt zu ängstigen, daß wir, nirgends mehr unsers Bleibens wissend, die weiße Fahne zur Ergebung aufstecken müßten. Ich befand mich in dieser entsetzlichen Nacht neben unserm Commandanten auf der Bastion Preußen, als dem höchsten Punkte, den unsre Wälle zum Umherschauen dar ­ boten. Von hieraus konnten wir beinahe alle feindliche Schanzen übersehen; und ebenso lag die Stadt vor uns. Es ist nicht auszusprechen, wie höllenmäßig das Aufblitzen und Donnern des Geschützes Schlag auf Schlag und Zuck auf Juck um uns her wüthete; während auch das Feuer unsrer Festung in seiner Antwort nichts schuldig blieb. In der Luft schwärmte es lichterloh von Granaten und Bomben; wir sahen sie hie und da und überall ihren lichten Bogen nach der Stadt hineinwälzen; hörten das Krachen ihres Zerspringens, so wie das Einstürzen der Giebel und Häuser; vernahmen den wüsten Lärm, dev drinnen wogte und toste, und waren Zeuge, wie bald hier,