258 muthigung, welche noch täglich durch die herbeiströmenden Flüchtlinge und tausend sich kreuzende Unglücksbotschaften allstündlich genährt wurde, so war jeder gute Bürger besorgt, auch unser Commandant könne an die Uebergabe der Festung denken. Heinrich. Was war der Commandant von Colberg für ein Mann? Nettelbeck. Unser Commandant war ein alter abgestumpfter Mann, der seit dem bairischen Erbfolgekriege, wo er ein Blockhaus gegen die Oestreicher muthig verthei ­ digt hatte, zu dem Rufe gekommen war, ein besonders tüchtiger Officier zu sein. Späterhin hatt' er nur wenig Gelegenheit gehabt, seine Reputation zu behaupten; und gegenwärtig war der Ge^st verflogen, oder hing noch so blind an dem alten Herkommen, daß er sich in der neuen Zeit und Welt gar nicht zurechtfinden konnte. Das war nun ein großes Unglück für den Platz, der ihm anvertraut worden, und ein Jammer für Alle, welche die dringende Gefahr im Anzuge erblickten und ihn aus seinem Seelen ­ schlafe zu erwecken vergebliche Versuche machten. Natürlich konnte solch ein Mann uns kein großes Vertrauen einflößen. Dadurch fühlte sich die ganze Bür ­ gerschaft von der lebhaftesten Unruhe und Besorgniß ergriffen; man berathschlagte unter einander, und weil ich einer der ältesten Bürger war, der den siebenjährigen Krieg erlebt und in den früheren Belagerungen, neben meinem Vater, freiwillige Adjutantendienste beim alten braven Heyden verrichtet hatte, so wählte man mich auch jetzt, das Wort zu führen, und, als Repräsentant ge- sammter Bürgerschaft, uns mit dem Commandanten über die Maßregeln zur Vertheidigung des Platzes genauer zu verständigen.