253 Schiffer besteht und das Seegericht bildet, vor welchem alle Schifffahrtssachen entschieden werden. Die Auszeich ­ nung konnte und wollte ich nicht von mir zurückweisen; und so geschah es denn, daß gleich in der zweiten oder -ritten Session ein Schiffer, vom Colberger Deep gebürtig, und ein Steuermann, eben daher, aufgefordert wurden, ein Protokoll zu unterzeichnen. Der Schiffer kratzte seinen Namen mit Noth und Mühe auf das Papier; sein Ge ­ fährte aber erklärte, daß er des Schreibens völlig unkun ­ dig sei, und begnügte sich, seine drei Kreuze Hinzumalen. Ich kann nicht läugnen, daß ich mich hierbei tief in die Seele dieser ehemaligen Standesgenossen schämte. Weß das Herz voll war, deß ging auch der Mund über; und so bat ich meine Herren Beisitzer, es doch reiflich zu Herzen zu nehmen, wie schlechte Ehre wir Preußen ein ­ legten, wenn so oft Landsleute von diesem Schnitt vor einem auswärtigen Seegericht ständen, und was für Ge ­ danken Holländer und Engländer wohl von unserm See ­ wesen fassen möchten? Das Wenigste wäre, daß fremde Handelsleute sich auf alle Weise hüten würden, solchen unwissenden und rohen Menschen Schiffe und Ladungen anzuvertrauen, und daß darüber die ganze preußische Rhederei in Mißkredit und Verachtung gerathen könnte. Andrer Orten — setzte ich hinzu — würde kein Steuer ­ mann oder Schiffer zugelassen, bevor sie in einem Steuermanns-Examen erwiesen hätten, daß sie ihrer Kunst und Wissenschaft vollkommen mächtig geworden. Sie wüßten auch, daß ich noch immer fortführe, mich in meinen Nebenstunden mit dem Unterricht junger Seeleute zu be ­ schäftigen; und so läge mir denn, zur Sicherung meiner eigenen Ehre, daran, daß sie die Güte hätten, mit nächstem