227 Bon Memel fuhr ich wieder nach Lissabon mit Bal ­ ken, allein im Winter war die Fahrt in der Ostsee sehr gefährlich, und wirklich gab es auch schon in den ersten Tagen des Dezembers wieder contrairen Wind und Sturm, wobei wir rings um uns her mancherlei Schiffstrümmer, Masten, Ruder und ein umgekehrtes Boot treiben sahen. Abends um 8 Uhr meldete mir der Auskucker, daß er nahe vor uns ein Schiff gewahr werde. Ich ließ sofort eine Laterne bei mir aushängen. Heinrich. Warum? Nettelb eck. Dies geschieht immer, damit man nicht aneinander segelt. Darum erwartete ich, daß auf dem andern Schiffe auch eine Laterne ausgehangen werden würde. Es geschah aber nicht; ich aber lief inzwischen so dicht an demselben vorüber, daß ich trotz der Dunkelheit deutlich erkennen konnte, wie ihm der große Mast fehlte und die See schäumend über Bord hinstürzte. Im Borübersegeln rief ich cs zu wiederholten Malen durch das Sprachrohr mit Holla! Holla! an; erhielt jedoch keine Antwort, und mußte daraus schließen, daß es von seiner Besatzung verlassen worden. Dies regte nun allmälig allerlei wunderliche Gedanken bei mir auf, die sich endlich in die Vorstellung auflösten, wie cs wohl des Versuchs nicht unwerth sein möchte, das herrenlose Wrack mit dem grauenden Morgen wieder aufzusuchen und nach Norwegen zu führen, von dessen Küsten wir nur einige und zwanzig Meilen entfernt waren. Der Wind zur Fahrt dahin wehete günstig, und für die auf ­ gewandte Zeit und Mühe schien ein so bedeutender Fund, auch ohne Rücksicht auf die etwanige Ladung, uns ge- nüglich entschädigen zu können.