1 222 Ich zeichnete nunmehr diese Gesetzstelle , legte das Titelblatt mit den großgedruckten Worten „Hamburgisches Schiffs- und Seerecht" aufgeschlagen auf den Tisch, und meinen kurzen, aber gewichtigen Rohrstock daneben, und zog nun die Glocke, die den Kajütenjungen mit seiner Frage: „Was zu Dienst?" herbeirief. —„Der Bootsmann soll zu mir kommen." — Eine Minute später trat der Geforderte zuversichtlich in die Kajüte, die ich sofort hinter ihm in's Schloß warf. „Kannst du Deutsch lesen, Bursche?" fragt' ich ihn, indem ich ihm dicht auf den Leib trat — „Hm, ich werde ja! Was soll's damit?" lautete die Antwort. — „So tritt her, und lies diesen Titel. Das sind die Gesetze, wornach deine Vaterstadt dich und deinesgleichen richtet. Und nun lies und beherzige hier auch diesen Artikel." — Er sah den Paragraphen überhin an, und fuhr dann heraus: „Hoho, das ist nur Wischewäsche!"— „So, guter Kerl? Nun, so will ich dir zeigen, was Wischewäsche ist:" und damit griff ich nach dem spanischen Rohr und walkte ihn durch, aus Leibeskräften. Das böse Gewissen erlaubte dem Buben nicht, sich thätlich zu widersetzen; sondern er taumelte nur stöhnend aus einem Winkel in den andern, um meinen Streichen zu entgehen. So geschah es, daß mein Strafgericht in dem engen Raum der Kajüte eben sowohl die umher angebrachten Glasschränke, sammt den darin befindlichen Gläsern und Tassen, traf; was ich aber in meinem brennenden Eifer nicht achtete. Endlich, da ich meinen Arm erlahmt fühlte, stieß ich den Taugenichts zur Kajüte hinaus; riegelte die Thür hinter mir zu, und nahm mir nun etwas Zeit zum Ver ­ schnaufen. Der Anfang zur Wiederherstellung meiner