»= 128 Ko ­ dein großen Casino zu Frankfurt am Main gemacht. Sobald Murhard's Verhaftung in Frankfurt bekannt wurde, entfernte sich auch Kelch heimlich von dort, als fürchte er ein gleiches Loos und hielt sich in einem Gartenhaufe vor dem Sachsenhäuser Thor bis zum Anbruch des nächsten Tages versteckt, um dann mit der Post nach Darmstadt zu slüchten. Auf der ersten Poststation nach dort, in Langen, gab er einen unfran- kwten recommandirten Brief an den Polizeicommissar Bücking in Hanau, welcher Murhard verhaftet hatte, zur Post. Von Darmstadt kehrte er nach Frankfurt zurück, ward jedoch dort ausgewiesen. Er verließ also Frankfurt abermals und nahm Route nach Cassel, indem er sich den Anschein gab, als wäre es seine Absicht, der dortigen Polizei in das Garn zu laufen und wirklich ward er auch sofort nach seiner Ankunft, im Hotel zum König von Preußen, arretirt und in das Castell gefangen gesetzt. Man hatte Murhard angeblich wegen Umgangs mit dem, gefährlicher politischer Umtriebe beschuldigten Kelch verhaftet. Trotzdem ward Kelch nach einigen Tagen seiner Haft entlassen, Murhardt aber blieb in Nro. Sicher. — Kelch ging nach Witzenhausen, aber der Fluch der öffentlichen Meinung folgte ihm, wo er ging und stand, jedermann mied ihn, er war vervehmt — für die bürgerliche Gesellschaft todt! — Später verließ er seine Heimath und verduftete spurlos. vr. Murhard hatte seiner Zeit unter Jerome gedient. Die Redaction les Westphälischen Moniteur war seine Sache und später hin lieh er seine Feder der, der Domainenkäufer aus der westphälischen Zeit in ihrem Prozesse gegen den Kurfürsten. Die Eingaben in dieser höchst unerquicklichen Geschichte an den Bundes ­ tag sind zum größten Theil sein Werk. Die secirende Schärfe derselben mochte man an hoher Stelle noch nicht verschmerzt haben. Es ist daher nicht unwahr ­ scheinlich, daß man ihn alles Ernstes fähig hielt, in der Drohbriefangelegenheit seine Hand mit im Spiel zu haben. Allein die Untersuchung stellte auch seine Unschuld heraus, und man mußte ihm die Thüren des Gefängnisses erschließen. Wir könnten noch mehr der Opfer dieser denk ­ würdigen Untersuchung nennen, allein das würde uns zu weit führen. Nur noch eines sei gedacht. Der hannoversche Hofrath Johann von Horn gab im Anfange des Jahres 1824, in der Hoffnung, zur Lüftung des Schleiers, welcher das Treiben der Droh ­ brieffabrikanten verhüllte, sein Scherflein beizutragen, ein Buch unter dem Titel: „Die Verschwörung gegen den Kurfürsten Wilhelm II. von Hessen-Cassel" heraus, welches ausführlich die Geschichte dieser geheimen Agitation, soweit dieselbe nicht Geheimniß war, darlegte. Wir sind diesem Buche zum größten Theil gefolgt. Die gute Absicht des Autor's ward jedoch auf andere Weise, wie er es sich wohl ge ­ dacht haben mochte, gewürdigt. Man setzte in ihm einen Mitwisser voraus, die Polizei verlangte von Hannover seine Auslieferung, der Nachbarstaat willfahrte mit größter Zuvorkommenheit und der hannoversche Hofrath machte die Bekanntschaft mit dem Castell, von welchen: er in seinem Buche eine so ausführliche Kenntniß be ­ reits documentirt hatte. Wir brauchen wohl kaum noch zu bemerken, daß durch die Auslieferung von Horn's eben so wenig Licht in das Dunkel getragen wurde, wie durch d:e Gefangensetzung der früheren Personen. So schien denn die Sache im Sande zu verlau ­ fen, ohne daß die Drohbriefe aufgehört hätten. Doch sollte sie nicht enden, ohne daß sie eine Dosis Humor als Beigabe erhalten hätte. Eines Tages flüsterte man sich geheim — offen wagte man die Sache nicht zu besprechen — die Droh ­ briefschreiber sind entdeckt, und zwar in der allmäch ­ tigen — Polizei selbst. — Der Verdacht traf zuerst einige Personen von dem Unterpersonal, bis es den Feinden des Pvlizeidirectors von Manger gelang, ihn zu verdächtigen. Von Man ­ ger wanderte nun selbst in das Castell, das sein Eifer so sehr bevölkert hatte. Der Günstling des Kurfürsten und der Gräfin, Rivalier, hatte von Anfang an darauf bestanden, die Untersuchung auf die höheren Stände auszudehnen, da ­ bei war cs besonders auf den Major von Radowitz, v. Verschuer und v. Eschwege, also die Umgebung des Prinzen, abgesehen. Er machte ihm den Vorwurf, die Papiere des Majors v. Radowitz nicht untersucht zu haben. (Fortsetzung folgt.) HHHB Berichtigung von Druckfehlern. WWi^W In Nr. 14, Seite 112, zweite Spalte, Zeile 19 von oben streiche das Wort „und" vor „um". Nachdruck und Arberfehungsrecht vorbehalten. Herausgeber: C. Landsiedel und L. Mohr. — Druck von C. Landsiedel in Cassel. — Expedition: Steinweg Nr. 24. Verlag der L n ck h a r d t'schen Buchhandlung (Fr. Luckhardt) in Cassel.