-->A 122 Thür. Ich für meine Person würde nicht so schwach sein, und eine solche Zierpuppe schalten und walten lassen, wie sie wollte, und da Eigensinn und Laune fast immer Beigabe bei ihr sind, so würde es Hader setzen, und ich liebe den Frieden vor allem Andern. Damit meine ich, Herr Reno, das Debet genug belastet zu haben; hören Sie nun aber auch, was ich für Sie in das Credit setze: Sie haben ein schönes, renommirtes Geschäft, das Sie ermächtigt bei den reichsten Töchtern des Landes anzuklopfen, keine wird Ihnen so leicht einen Korb geben. Die Mitgift der Gattin wird die Lücken, welche die Garyonwirthschaft in das Geschäft gerissen, ausfüllen, die Extravaganzen hören aus, der Herr Gemahl wird an das Haus gefesselt, und das allein wird mehr als das Doppelte des Ausfalls decken, welchen die Ansprüche der jungen Frau verursachen werden. Heirathen Sie, junger Herr! Trotz meiner weiberseindlichen Ansichten rathe ich Ihnen doch ernstlich dazu. Heirathen Sie um des Geschäftes willen, aber bald. Noch ist es Zeit! —" Reno hatte das Gespräch abgebrochen. Kurze Zeit darauf erschien Frau von Dahlheim und über ­ machte ihm ihr Vermögen; und er nahm dasselbe an. Jetzt, wo er auf dem Divan lag und seinen Gedanken nachhing, sagte er sich zu wiederholten Malen, daß es nicht so ganz ehrlich gewesen, dasselbe anzunehmen. Endlich schnarrte ihm das „Es ist noch Zeit!" des Procuristen in das Ohr, und er sagte: „ich werde hei ­ rathen; ich werde sie heirathen — der Fall wird im Handumdrehen die Situation ändern." Reno hatte von seinem Vater ein beträchtliches Vermögen geerbt. Das Geschäft galt als das solideste der Resioenz. und der Sohn hatte durch Noblesse im Auftreten das Nenomms noch zu vergrößern gesucht. Noch jetzt war sein Ruf nicht erschüttert. Das konnte mit dem nächsten Morgen anders werden, und das Wort des Faetotums: „Noch ist es Zeit!" war sehr an der Zeit. Ich werde heirathen! Der Fall wird die Situation im Handumdrehen wenden! waren seine Worte; mst ihnen trat das Bild der Frau von Dahlheim vor seine Seele. „Sie wäre keine üble Partie und mit ihr fielen alle Bedenken fort. Was für eine Partie wäre sie erst, wenn " er unterbrach sich und vergegen ­ wärtigte sich den Passus in dem Testamente des alten Nordeck, den in demselben Augenblicke der alte Fuchs im Eomtoir überlas, danu fuhr er fort: „Ja, existirte dieser Willi nicht, die Mitgift wäre eine splendide, und die Erinnerung an die Biermamsell nähme man mit in den Kauf. Warum har ihn der Teufel nicht ge ­ holt? . . . Wenn er ihn noch holte? ..." Ein Frösteln lief dem Banquier über den Rücken; er dachte den Gedanken nicht aus, und unmuthig warf er den Cigarrenstumpf lei Seite. Nach einer Weile ergriff er die Tischglocke und läutete. „Gehe in den König von Preußen!" sagte er zu dem eintretenden gallonirten Diener. „Wenn die Jett- chen ausgeht, so soll sie zu mir kommen." Kaum hatte sich der Diener entfernt, so klopfte es vernehmlich an, und fast gleichzeitig ward ein Kopf in der Thür sichtbar, und ihm nach schob sich die wes- pentaillege Figur des Leutnant Robert, nachdem er sich von der Anwesenheit des Banquiers überzeugt hatte. „'Mahlzeit, Freundchen! Da gewesen? gut amü- sirt?" frug der Leutnant in einem Athemzuge; warf seine Mütze auf den nächsten Sessel und reichte dem Banquier die Hand. „Laß Dich nieder, Robert und zünde Dir eine Havanna an!" nickte der Angeredete, indem er sich aus seiner ruhenden Lage erhob, „ich lasse sofort eine Flasche Portwein vorfahren. Beliebt Dir ein An ­ biß? Wildschweinskops? Es ist um die Zeit des Früh ­ stücks." „Habe gerade keinen Appetit, Reno." „Pa, Wildschweinskops mit Ctlmberlandssauce, nichts Deliciöseres! Der Appetit stellt sich über dem Essen ein", animirte Reno, läutete und befahl das Frühstück. Robert ließ sich aus dem Tigerfell nieder und frug wiederholt: „Da gewesen? Gut amüsirt?" „Da war ich, Robert; aber vom Amüsiren kann nicht die Rede sein. Meine Anwesenheit war rein ge ­ schäftlicher Natur." Wie gewöhnlich, wenn man auf eigene Faust pirscht. Sehe Dich jedoch vor, daß Dir der Fuchs nicht den Vogel holt, der Dir in die Schnellst gegangen. Als ich vor einer Weile am König vorüberpromenirte, entdeckte ich im Eckfenster den Lassen von neulich. Hast Du nichts in Erfahrung gebracht über den plötzlichen Wohlstand des Sonnenbruders?" „Und was nicht Alles; meine Vermuthung hat sich bestätigt, der Sonnenbruder ist der Erbe der Herr ­ schaft Nordeck, also Euer Nachbar. Der alte Strang ­ schläger ist gestorben, sein Testament hat Willi zum