» — ■■ - - - — - - - • B 46 dem Ofen und spann, indem sie einer andern, welche Aus dem erleichterten Herzen stieg ein inbrünstiges Gebet empor zu dem himmlischen Vater, und Ruhe und ; Frieden zogen in Paul's Seele ein. Er hatte seinen Entschluß gefaßt, wollte augen ­ blicklich zu Herrn Röder eilen, ihm Alles gestehen und Der Peter : Abbitte thun. offenbar nur ans Neugierde aus der Nachbarschaft herüber gekommen war, schonungslos erzählte, daß ihr Mann den Fremdling auf der Straße aufgelesen und nach Hause gebracht habe, damit er wenigstens nicht unter freiem Himmel zu sterben brauche, hat aus seinen Papieren herausgeknndschaftet, daß er Paul Weber heißt und ehrlicher Leute Kind ist. Er hat eben gespielt und ist wie so Viele darüber zu Grunde gegangen." Hier endigte die Bäuerin ihre Erzählung. Paul aber stürzte hinaus in's Freie, fiel auf die Kniee und betete laut: „O Gott, hilf, daß es nicht so weit mit mir komme, führe mich auf den rechten Weg zurück und vergib mir die begangene Schuld." „Amen", sprach ernst und feierlich der Engel, welcher unbemerkt neben ihm gestanden und sein Gebet gehört hatte. „Der liebe Gott wird Dein Flehen erhören, wenn Deine Reue aufrichtig ist und ich, Dein Schutzengel, werde Dir auch beistehen, Deinen guten Vorsätzen getreu zu bleiben. Aber hüte Dich, diese Nacht zu vergessen, die Erinnerung an ihre Schrecken kann Dich am besten vor der Versuchung bewahren. Gehe jetzt, suche Deinen Fehler wieder gut zu machen und danke Gott, daß es noch Zeit ist, ein anderer, besserer Mensch zu werden." Paul wollte seinem Schutzengel die Hand küssen und ihm danken, daß er ihn noch rechtzeitig vom Abgrunde znrückgeriffen, aber der himmlische Bote war verschwunden und Paul — erwachte und befand sich allein in seinem stillen, dunkeln Stübchen. Sein Gesicht war in Thränen gebadet und der Angstschweiß drang ihm aus allen Poren. Bestürzt rieb er sich die Augen und blickte umher. Nein — er irrte sich nicht, er war wirklich wieder in Frankfurt, im Hause des Herrn Röder; der Mond und die Sternlein schienen in's Fenster und vom hohen Pfarrthurme herab schlug es sieben Uhr. Paul ermannte sich, zündete ein Licht an und ver ­ suchte seine wirren Gedanken zu sammeln. „Habe ich gewacht oder geträumt?" fragte er sich selber; da fiel sein Blick auf den kleinen Schlüssel, den er immer noch krampfhaft in der Hand hielt, und die Erlebnisse der letzten Tage und der vorgehabte Dieb ­ stahl standen wieder lebhaft vor seiner Seele. „Lieber Gott, ich danke Dir, daß Du meinen Schutz ­ engel gesandt haft", sprach er, auf die Knie niedersinkend. Leichten Schrittes eilte er über den mit weichen jj Teppichen belegten Gang, nach dem Arbeitszimmer seines Prinzipals. Herr Röder war nicht anwesend, jj wohl aber der gute, alte Walther. „Unser gütige Prinzipal hat uns Allen heute eine j rechte Freude zugedacht", sagte dieser, als Paul hastig eintrat. „Legen Sie Ihren Sonntagsstaat an und jj versuchen Sie wieder einmal ein freundliches Gesicht zu !j machen", setzte der wackere Greis hinzu, indem er Paus : die Hand entgegenstreckte. „Ja, das will ich", ries der junge Mann und schlug fröhlich ein in die ihm dargebotene Rechte. „Ihr sollt Alle zufrieden mit mir sein. Aber vorerst muß j ich Herrn Röder sprechen, ich habe ihm Wichtiges mit- j zutheilen." Indem trat Herr Röder ein, Paul eilte aus ihn zu, ergriff stürmisch seine Hand und sprach, zitternd vox ! heftiger Errregung: „Lassen Sie mich hoffen, daß Sie mir verzeihen werden, theurer Herr Prinzipal." Herr Röder blickte den tief ergriffenen Schützling verwundert an, und der alte Walther wollte sich sachte aus der Thüre schleichen, aber Paul hielt ihn zurück, indem er sagte: „Nein, lieber Walther, gehen Sie nicht, Sie sollen Zeuge sein meiner Schuld und Buße." Darauf berichtete er haarklein, wie Alles gekommen, und bat Herrn Röder fast kniefällig um Vergebung, indeß heiße Renethränen seine Wangen entlang rollten. Herr Röder, selbst übermannt, von heftiger Be ­ wegung, legte, nachdem Paul seine Beichte beendigt, seine Hand segnend auf den blonden Lockenkopf des reuigen Jünglings. „Gott segne Dich, mein Sohn", sprach er mit vor Rührung fast erstickter Stimme; „Gott segne Dich und bewahre Dich fernerhin vor aller Schuld. Ich verzeihe Dir von Herzen gerne und ge ­ denke, mich in Zukunft mehr um Dein inneres Leben zu kümmern und jede Versuchung ferne von Dir zu halten. Trockne jetzt Deine Thränen und komme Punkt halb Acht in den großen Saal, aber ja nicht später, Du weißt, ich liebe Pünktlichkeit." Darauf umarmte