11 <£<>- bis nach beendetem Markt aufsparen. — Deine Herrschaft wird so wie so nicht sonderlich erbaut sein über die Mittheilung, die ich ihr zu machen habe." „Do? — Darf man wissen, was dieselbe betrifft- Ludwig?" fragte das Mädchen und beugte sich prüfend zu dem Stücke Bieber herunter, welches der Tuchmacher so eben auf den Stand legte. — „Welche Frage! Wir müssen doch endlich an das Heirathen denken, Martha! Ich werde im Geschäft allein nicht mehr fertig, und um den Haushalt kann ich mich erst recht nicht kümmern. Ich werde deshalb kommen und der Herrschaft aufsagen." „So? Ohne mich erst zu fragen?" „Weil ich Dich für so vernünftig halte, daß Du meine Gründe gelten lassen wirst." „Nun, ich werde es mir überlegen. — Du kommst also? Ich darf Dich erwarten? Gute Geschäfte und Adieu!" sagte sie rasch, immer noch die hohe Nöthe aus Stirn und Wangen, welche das Wort Heirathen darauf gezaubert hatte. Das Mädchen war einige Jahre jünger, als ! Meister Ludwig. Es war eine Waise, von fremden Leuten erzogen, war später zu einem Paar alten Leuten, einem Rath von Sonbheim und Iran in Dienste gekommen, bei welchen es noch jetzt als Haushälterin sungirte. Die beiden Alten hatten sich so sehr an das Mädchen gewöhnt, daß sie es wie ein Kind hielten. Das Mädchen seinerseits hielt dagegen streng ans ge ­ wissenhafte Pflichterfüllung. Frau von Sondheim be ­ kümmerte sich fast gar nicht um den Haushalt, sondern überließ ihn ihrer Martha ganz. Dieselbe war ein frisches, robustes Mädchen von mitteler Statur, mit einem rothen, fröhlichen Gesichte, schwarzen Angen und Haar und einem flinken, rührigem Naturell. Ans welche Weise Meister Ludwig es kennen lernte, haben wir bereits gemeldet. Der Marktnachbar hatte einerseits sein redliches Theil dazu beigetragen, daß dem Mädchen der Jnnggesellenstand des Tuchmachers nicht lang Ge- heimniß blieb, daß aber anderuseits Meister Ludwig schon am zweiten Marktlage wußte, daß die kleine -Schwarze keine übete Partie und noch zu haben sei. — Der Mann hatte seinen stweck erreicht. — Meister Ludwig, nachdem er sein Geschäft gemacht und den Nest seiner Waare umgepackt hatte, sprach bei Martha's Herrschast mw, setzte derselben die Gründe auseinander, die ihii nöthigten, nunmehr an eine Heirath zu denken llnd kündigte schließlich Samens seiner Braut. Gegen alles Erwarten fand er bei den Biederleuten nicht den geringsten Widerspruch; im Gegentheil, sie äußerten nnverhvleu ihre Freude darüber, die Martha gut versorgt zu sehen. „Wir wollen Martha's Glück nicht im Wege stehen, Meister Ludwig," sagte die ehr ­ würdige Matrone, „so sehr cs mir leid thut, sie ver ­ lieren zu sollen, denn ich konnte mich in jedem Stücke auf sie verlassen, ohne mich um das Geringste zu kümmern." Ein Vierteljahr später verließ Martha das Haus ihrer Herrschaft, und nach vier Wochen zog sie als junge Frau in das Hans Meister Ludwig's ein. Das Wort des Marktnachbars, Ihr werdet Segen in der Ehe haben, denn Ihr habt Jungfernglück, sollte sich bewahrheiten. Geschäft wie Hausstand nahm von Jahr zu Jahr zu. Manchmal streifte zwar das Reso ­ lute , das in dem Naturell der jungen Frau lag, an Hansdespotismus, aber Meister Ludwig war einsichts ­ voll genug, ihr im Hauswesen die Herrschaft nicht streitig zu machen und sie ebenso klug, nicht in das Geschäft zu reden, und da Bude in ihrem Wirkungs ­ kreis zu herrschen verstanden, so kamen sie mit Riesen ­ schritten vorwärts. Grundprineip im Geschäft blieb es jedoch stets bei > dem Meiner, bei der Fabrikation seiner Waare das Zrößle Gewicht auf die Güte derstlben zu legen. Das förderte das Renomme des Geschäfts mehr als alles | ändere, und zur Zeit des Tharauer Jahrmarktes galt ! er als der brniittelste Bürger des Städtchens, dessen ji Bürger — noch an d n alten Schlendrian gewöhnt — j ! dieses ungewöhnliche Auskommen besonderen Glücksfällen - | zuschrieben und ihn nicht anders, als den „reichen i! ! Napoleon" nannten. Die Anerkennung der goldenen Medaille und der jj in Sicht gewesene Titel Eommerzienrath hatten unstreitig i ans den Stolz der Frau Martha einen größeren Ein ­ fluß als auf das Gemüth des schlichten Meisters geübt, wai jener Zeit erschien sie aus ihrem sonntäglichen Kirchengang nie anders, als in dem schwarzen Atlas- kleid, dem weitfaltigen veilchenblauen Seidenmantel, der Garnette mit ächt Brüsseler Spitzenverzierung — dem Schleier — und dem dicken Gesangbuch in rothem Sasffanband mit blankem Silberschloß. — Wir mußten dieses vorausschicken und kehren nun zu dem .Tharauer Jahrmarkt zurück. — Wie schon berichtet, so hatte das Geschäft sehr lebhaft gegangen und