wenn ich Wahngebilde der Phantasie Herr über mich werden Hess. Sol ­ che phantastische Gaukeleien spiegeln dann zu leicht eine gleissnerische Welt vor ,in der man nicht mehr mit festen Füssen auf dem Erdboden steht und deshalb muss eine zu sehr ins Uferlose schweifende fhantasie - wie vorher schon angedeutet - durch allerstrengste wissenschaftliche Gedan ­ kenzucht gezügelt und zurückgedämmt werden.#as war eines der Hauptziele die ich mir schon frühzeitig gesteckt hatte * Eine schon in frühester Jugend begonnene zielbewusste Beschäftigung ait allen philosophischen Fragen liess mich dahin gelangen .Als junger ^ensch empfand ich bereits instinctiv die Wichtigkeit dieser Art geistiger Selbstzucht »die air wohl geeignet schien ,aich Uber die Abgründe des Jaseins hinwegzuführen . Unbewusst befolgte ich damit nur einen ftatdea nach Biogenes ^a&rtius schon der griechische Philosoph Eaikur in eine» B r i e fe ,der seine ethi ­ schen Grundanschauungen enthielt ,an Menoikus gab und als ich den hier nachstehend wiedergegebenen ^rief in reiferem Alter lös ,freute ith mich nicht wenig,dass ich schon vor mehr al3 zweitausend fahren einen in ähn ­ licher Weise denkenden geistigen Ahnen hatte • ’ " Epikur entbietet dea Menoikus seinen Gruss . Niemand möge solange er noch jung ist ,zögern,sich der r hilosophie zu widmen »noch als Greis der Philosophie müde zu werden . Denn niemals ist er noch zu jung »sich die Gesundheit der ^eele zu erwerben »noch kann er zu alt dazu sein . Wen aber sagt »es sei noch nicht ^eit zu philosophieren oder die Seit sei schon vorüber »der könnte ebenso gut sagen »es sei noch nicht Zeit für ein glückliches Leben oder es sei schon zu spät dazu . Philosophie trei ­ ben muss also sowohl der junge Mensch wie der alte »der er.stere »damit er bei zunehmenden Alter durch seine Tugenden jung bleibe in zufriedenem Rückblick auf die Vergangenheit »der letztere »damit er auch im Greisen- alter noch jung sei »weil er frei ist von der Furcht vor der Zukunft , Man muss also darauf denken »sich das zu verschaffen,worin das glückliche fi*eben besteht »wenn wir wenigstens alles besitzen sobald die Glückselig ­ keit uns zu Teil geworden ist ; wenn sie uns aber fehlt »alles tun müssen, um sie zu erlangen . Die Ratschläge »welche ich Bir unablässig gegeben ha ­ be »befolge und bedenke und sei überzeugt »dass sie die Grundlagen eines rechtschaffenen Lebens bilden Eine geistige Welt aufzubauen »die sittlichen Halt verleiht »dss Leben überhaupt verinnerlicht und die Furcht vor Vereinsamung im Alter wesent ­ lich verringert »das schien mir ein Ziel "aufs innigste zu wünschen " und um diesen geistigen Lebensinhalt zu erringen »habe ich stets mutig gekämpft »denn De ^igjtl er Sinnesfreude und ^eigung zu fröhlicher Gesellig ­ keit fehlte es mirvan einem tiefen »fast grübelnden Ernst »der mich immer wieder dazu führte »zur rechten "eit mich auf mich selbst zu besinnen, hin und wieder geradezu die Einsamkeit aufzusuchen »um-durch eigne Kraft zu einer Geist.eskultur zu^elangen »die einen wenigstens streckenweise aus der Kulturkomödie der Oberfläche heraushebt und in solchen besinn ­ lichen Stunden das halten eines höheren Lebens spüren lässt • Wie ein Schatzgräber dr^n* ich in mein Inneres 9 denn "Im Inneren ist ein Uni ­ versum auch M und wie wohl jedem eröffnetenjsich auch^mir bei dieser In— üenschau stets neue »mich immer wieder aufrüttelnde ^ebenstiefem .Wenig ­ stens blieb mir dann doch immer die Hoffnung »aus dem zuerst unsicher Suchenden allmählich ein Findender zu werden »immer auch eingedenk des Schill er* sehen Ausspruches : " Es ist nicht draussen »da sucht es der Thor , Es ist in dir »du bringst es wewig hervor ! «*— M in jedem Jahrhundert wirken sich die vorherrschenden geistig eit* Strömungen auf die Bildung und Förderung Suchenden in irgend einer Form aus . Trotz e aller Fortschritte auf allen Wissensgebieten wird wohl Niemand bestreiten wollen »dass unser auf diese Fortschritte so überaus stolzes Jahrhundert geistig von dem vorigen in ausnehmender Weise befruchtet wurde »ja »in L dieser Hinsicht von ihm in völliger Abhängigkeit geblieben ist .