259 fes Ohr und für die Schönheit ein starkes Empfinden. Neben einer künstlerisch verwertbaren Stimme wie einem guten u ehör durfte ich mich wohl des Besitzes mancher guter musikalischer Eigenschaften rüh ­ men und die zuweilen mangelnde Sicherheit im Rhythmus konnte ich einigermaßen durch andere Vorzüge ,wie leichte Auffassungsgabe »Tem ­ perament und angeborene Vortragsbegabung wieder wett machen . Im Laufe der Jahre hatten meine musikalische Bildung und Sicherheit durch meine ständige Mitwirkung in denjgg©#sBnn Kasseler Konzert ­ chören und durch das auf diese Weise ermöglichte gründliche Kennen ­ lernender grossen Chorwerke unserer Klassiker und neuerer Meister erheblich gewonnen • Der edanke allein »mir doch noch durch eignes aktives Musizieren ein wenn auch nur kleines Gebiet der Tonkunst ganz zu erschliessen »hatte für mich ohne Frage etwas ungemein Beglücken ­ des und -beseligendes . Niemals ging mein Ehrgeiz darauf aus »vor der Öffentlichkeit oder Anderen glänzen zu wollen . ^ein » - die romanti ­ sche Vokalmusik insbesondere - wollte ich nach dem Vorbilde meines Bruders als ernsthafter und künstlerisch begabter Dilettant »der wohl meistens eines grösseren Enthusiasmus fähig ist als der ^erufsmensch in ihren wertvollsten Erzeugnissen gründlich auskosten . Singen weil te ich »aber nur : " wie der Vogel singt »der in den Zeigen woh-„ net »das Lied »das aus der Kehle dringt ist Lohn »der reichlich lohne Letzten Endes führt zum musikalischen Erlebnis mir das Selbstmusizie^? ren im kleinsten Kreise mit keinem anderem Ziele als des eignen Ge- niessens und gründlichen Eindringens in die Schönheiten der Werke »zu deren Interpretation man auch die erforderlichen Fähigkeiten einiger ­ maßen besitzt • Selbst im Alter erlischt dann der Reiz der Musik nich r; während andere fceize in ihrer Wirkung allmählich nachzulassen beginne^ Allem der Eintritt in diesen Stempel der Schönheit blieb mir natür ­ lich so lange verschlossen als es mir nicht gelang »eine gon gleichen Impfludüngen getragene musikalische Seele mir beizugesellen »die mit mir gemeinsam den Weg durch das Wunderland der von den grössten Meis ­ tern vertonten Lyrik zu gehen bereit war . Erst im jfehre 19o9 oder 19 1 ° ersdhloss sich mir durch die Bekanntschaft mit Frau Marie Sch.„.ij die Möglichkeit »dem in Aussicht genommenen Ziele ganz näherzukommen. In ihr fand ich die perfecte Klavierspielerin »die - da auchselbst sie eine vorzügliche Sängerinjwar - der Begleitung aller Sesänge das Eigenleben zu sichern wusste »das darin beschlossen lag Den Stil die Gefühlswerte wie die Tonmalerei verstand sie - auch dank ihrer meisterlichen Jedhnik - völlig herauszumeisseln . Ohne Frage war sie wohl in Kassel in den künstlerisch wirkenden Dilettantenkreisen die musikalischste Freu Im Bunde mit ihr durfte ich hoffen »mir fast die gesamte Lieder_und -^alladenliteratur zu erschliessen . -^ein grös- : sersg Glück konnte mir erblühen als ich bemerkte »dass trotz ihrem sehr verwöhnten ^gc^acke* »ihren hohen Ansprüchen an Schönheit der. Stimme und an Vortragskunst sie an dem Musizieren mit mif ein sogros— ses ^fallen fand »dass sie mich zu stetigem Wiederkoramen aufforderte. So erwuchs aus einem fast 17 Jahre andauernden gemeinsamen Musizieren* eine echte»euf gegenseitigen geistigen und musikalischen Interessen fest fundierte Freundschaft»ja eine wunderbare Geistergemeinschaft der ich hier gern ein Denkmal setzt. ~ ) Jber eine Kunstschöpfung -ohne sie genügend kennengelernt zu haben ­ wird leicht geredet und kritisch geurteilt »während etwas Nützliches darüber nur derjenige aussagen kann,welcher -mag er die Kunst nur be ­ ruflich oder nur als ernsthafter Dilettant ausüben - sich durch lang ­ jähriges Stuidiuflä in die Materie ganz hineingefühlt hat . Erst dann° vermag er die Qualität einer Kunstschöpfung in ihr^m vollem Umfange richtig zu ernennen . Im iständigeriCritisieren und Fehlersuchen - wie das häufig beim grossen »oft sogar.urteilslosen Pubfikura üblich ist- biingt man sich meistens um jeden Jenuss • Zum richtigen Geniessen ge ­ langt eben nur derjenige »der sich mit ganzer Seele dem Kunstwerke ingibt und seine Erkenntnis über die Art »wie ein Kunstwerk zu-