ausgebildet hatte und die nun aufhören sollte ,vielen Besuchern des alten Theaters die Trennung von demselben schwer gemacht haben . Wer wusste denn,ob in dem neuBB prächtigen Hause ,das nun an der Stelle des früheren Auethor zum Himmel strebte ,sich der gleiche seelische. Kontact zwischen den Menschen oben und unten in der gleichen Intensi ­ tät wieder einstellen würde wie es im alten Haus d.er £'all gewesen war Schmerzvoll sah also der Kasseler Theaterfreund den Vorhang im alten theater zum letzten Male sich senken . *^ag er nicht immer seihe Wün ­ sche hinsichtlich des Spielplanes im alten Hause erfüllt gesehen haber ihm war das alte Theater als trauter ^rt ,an den so viele schöne Erin-*' nerungen sich knüpften,ans Herz gewachsen und erjhatte noch lange nichx die Gewissheit ,ob in dem neumen,inzwischen entstandenen Musentempel die künstierischen Bestrebungen der Intendanz sich in aufsteigender Linie entwickeln würden , ja ob des ,was dort geboten werden würde , im gleichen Verhältnis zu der Prachtentfaltung ,von der schon viel- gefabelt wurde ,stehen würde • Mit solchen oder ähnlichen Gedanken beschäftigte man sich noch lange als schon die Spitzhacke ihre Arbeit begonnen hatte ,um das alte Haus in Trümmer zu legen . Ja, als der erste Schlag erdröhnte ,da soll der alte Spohr auf seinem Denkmal - wie visionär Veranlagte beobachtet haben wollen sich plötzlich um ­ gedreht haben und durch Schütteln des Kopfes sein Mißfallen über den »andalismus ,den man an der durch seine frühxere Tätigkeit geheiligte Kunststätte nun ausübte ,kunögegejpen haben . Am südöstlichen Ende des grossen Friedrichplatzes an der Stelle , wo einst das intim in den landschaftlichen Rahmen sich einfügende und jetzt nach einem, unansehnlichen Platze verbannte Auethor stand ,war in einer mehr als zweijährigen Sauperiode, der Theaterneubau sozusagen aus der Erde gewachsen . Vis die Bauumzäumung abgerissen wurde .ent ­ hüllte sich der prachtvolle .^eubau den kritischen Blicken der tasse- lßner . Alerdings wirkte zunächst die Frontfassade des mit vielfach gegliederten Dächerniprrichteten barocken Riesenbaues einigermaßen ent ­ täuschend . In der x at erschien Sie angesichts des grossen Platzes durchaus nicht monuiiental ,ihr fehlte die Geschlossenheit »wenn man die prachtvollearchitectonische Wirkung des Museums Fridericianums damit in Vergleich zag o Bei dieser gedrückt erscheinenden Fassade hätte man eher auf ein Zeughaus oder eine Markthalle als auf einen erhabenen ^wecken dienenden Musentempel schliessen können . Ganz an^ : ders ist aber der Eindruck ,den man von der Aueseite gewinnt .Terras senartig und mit geschmackvollen Treppenbauten fällt der Theaterbau nach der Aue abrund von dieser Seite gesehen wirkt das neue Theater geradezu grandios und monumental .Besonders reizvoll bietet sich der Theaterbau dar »wenn man die Treppe vom Regierungsgebäude nach der Irahtbrücke heruntergeht und nun von hier durch die schönen Baumgrup- pen mit dem Blicke einen ‘Teil des im Sommer von Grün umrahmten Gebäu ­ des auffängt . Welche Bereicherung die Silhouette des Stadtbildes an der schönen Aussicht durch den Theaterbau erfahren hat ,das wird man ganz besonders gewahr ,wenn man in gehöriger Entfernung ,also auf der anderen Fuldaseite diese Szenerie erblickt . Mir ist das stets aufge ­ fallen ,wenn ich von Wilhelmshöhe mit der Waldkappeler Bahn nach Bet ­ tenhausen fuhr . Denn konnte ich mich an dem über der Aue plötzlich auftauchenden Bilde nicht satt sehen . Feseelnd und machtvolljerhob sich über dem Baumgewoge des Aueparks wie ein mächtiges Kastell das neue Theater und wenn man diese Fernwirkung allein in Betracht zieht, wird man in der Welt lange nach einem Theater suchen dürfen ,das sich einer ähnlichen herrlichen landschaftlichen Bage erfreut . Mit einem festlichen Gepränge sondergleichen fand am 26Au|ust 19q9 die Eröffnungsvorstellung in Anwesenheit des Kaisers und der Kaiserin ; mehrererBundesfürsten und Prinzen des kaiserlichen Hauses sowie des ganzen Hofstaates statt. Für Kassel war dies wohl das letzte grosse gesellschaftliche Ereignis des kaiserlichen Deutschlands . Für jeden