22 Wagen des Licinius zogen•Ausserdem waren einige zwanzig andere Pferde ebenfalls auf der Bühne tätig zum grössten Erstaunen der Kasselaner / für die dieses ungewohnte Pferdegetrappel auf der Bühne ein geradezu sensationelles Ereignis bedeutete.Der König und die Königin blickten mit besonderer Freude auf die Bühne, ^ehr als das Spontini 1 sehe Meis ­ terwerk bewunderten sie ihre prächtigen Pferde ,die ihre Rolle ausge ­ zeichnet spielten ,aber auch noch mit grösseren Sensationenwusste man den nach immer neuen Emotionendürstenden ^eist der Zeit zu befriedigen » In einer Oper : "La chasse de u enri IV " wurde auf dem Theater selbst eine Parforcejagd aufgeführt . Dabei wurde eine Felsschlucht in der Mitte der Bühne dargestellt • Ein zahmer Hirsch soll von vielen Hei ­ tern mit der Ükute gejagt werden • Mehrmals läuft er über die Bühne , Pfunde und Heiter folgen . Endlich steht er auf der Felskante . Er zö ­ gert zuerst ein wenig . Die Beute kommt aber näher . Da setzt der Hirse! über eine wohl sechs Fuss breite Kluft ,aber die Hunde und Heiter .die ihm folgen »wagen gleichfalls den Sprung . M an kann sich leicht vorstel ­ len ,da3s bei solchen aufregenden Schaustellungen das Interesse an der Musik mur sekundär war . Im Theater wurde auch jeder Siegestag Napo ­ leons durch prunkvolle Aufführungen gefeiert . An den Geburtstagen des königlichen Hauses wurde sogar dem Publikum die Pforten des Theaters gratis geöffnet und es ist wohl zu begreifen »dass sich die Kasselaner unter Jerome recht gut amüsierten und auf diese Y/eise die Fremdherr ­ schaft nicht als ein allzu schwer auf ihnen lastendes Joch empfanden . Dass während der ganzen Dauer des Königreiches Westfalen deutsche Opern ­ komponisten in Kassel weniger zur Geltung kamen und die französische wie die italienische Oper bevorzugt wurde ,ist durchaus verständlich. Ein Querschnitt durch das Opeprjahr 181o in dem 55 Opern »wovon etwa 31 einaktig waren »auf dem Ifcpertoir standen ; gibt den besten Überblick In jenem ü ahre erschienen auf der Kasseler Bühne Opernvon Dalayrae,Ga- vesux »Kreutzer , Piccini (nicht zu verwechseln mit dem berühmten Pic- cinä »dem Rivalen Gluck*s )j|fchul , Berton »Devienne »Boieldieu,Deila Jfcria ,Sacchini »DezLde f Lemoine »Nicole Isouard , u retry »Blangini, 'Cherubini »Pergolese »Dolie^ Audinot u. andere .Aber nur einige von die* sen Komponisten haben musikgeschichtliche Bedeutung gewonnene Doch bald war das karnevalistische Intermezzo entgültig vorüber . Der unter Jerome entfaltete Glanz und Prunk verschwanden wieder »als nach seinem Sturze der Kurfürst Wilhelm I. wieder aus seiner unffeiwilligen Verbannung zurückkehrte . Nun begann wieder ein strenges und sparsames Regiment. Mit den "Kreuzfahrern " von Kotzebue wurde das vom Kurfürst Wilhelm I. neu ins lebengerufene Hoftheater eröffnet . Kassel hatte jetzt jedenfalls wieder sein Hoftheater »diesmal unter einer eignen allerdings vielköpfigen Intendanz . In der Wähl der Intendanten sprach sich allein schon der Autokratismus des Kurfürsten aus . Er berief den Geh. n a t V on Apell als ersten Intendanten »dem er den Polizeidirector Manger zur Seite stellte und letzterer »seinem eigentlichen Berufe ge ­ treu »ging gegenüber den Künstlern oft recht rigoros vor. Bei den ge ­ ringsten Verfehlungen liess er Schauspieler »Sänger oder anderes Bühnen personal einfach auf der Bühne verhaften . Dieses Polizeiregiment war nicht gerade dazu angethan »bei der Künstlerwelt ein Engagement nach Kassel als besonders verlockend erscheinen zu lassen .Indessen glich der Kurfürst die mehr als bürokratische Verwaltung dadurch wieder aus, dass er für die künstlerische Leitung einen tüchtigen Theatermannin dem Schauspieler und Regisseur Feige gewann »während für die ^eitung de Oper in Guhr ein ausserordentlich vielseitig begabter »in mancher Be ­ ziehung sogar genialer Musiker und Dirigent berufen wurde . Seine eigentliche Glanzperiode erlebte Carl Guhr ,ein- Schlesier ,(geh. 3o Octob 1787 in Militsch ) erst in Frankfurt s/^ain »wo er fast drei Jahrzehnte als Kapellmeister und Director wirkte und die dortige Oper, nachdem Spohr als sein Vorgänger freiwillig die Leitung derselben auf ­ gegeben hatte »zu grossem Ansehen brachte .Nach den Äusserungen seines