34 1855 §. 9. Das Pfandgeld vertritt die Stelle des Schadenersatzes. Erachtet jedoch der Beschädigte dasselbe hierzu nicht für genügend, so steht ihm frei, statt des Pfandgeldes die Ermittelung und den vollen Ersatz des Schadens zu fordern. tz. 10. Das Pfandgeld ist in jedem einzelnen Falle nur einmal zu erlegen, selbst alsdann, wenn durch den Uebertritt des Viehes auf ein Grundstück mehrere Personen, z. B. der Besitzer und ein Nutzungsberechtigter, in ihren Rechten verletzt worden sind, oder wenn sich der Uebertritt zugleich auf mehrere Grundstücke verschiedener Besitzer erstreckt hat. §. 12. Wer vorsätzlich unbefugterweise Vieh auf einem fremden Grundstücke hütet, ist nicht nur zur Erlegung des Pfandgeldes und zum Schaden ­ ersätze nach den vorstehenden Bestimmungen verbunden, sondern soll überdies mit Geldbuße von 15 Sgr. bis zu 20 Thalern bestraft werden. Die verwirkte Strafe ist zu verdoppeln, wenn der Frevel zur Nacht ­ zeit (§§. 25, 26) oder an Sonn- und Festtagen verübt wird. Ist das vorsätzliche Behüten fremder Grundstücke ans Rache oder Bosheit unternommen, so tritt die in den Kriminalgesetzen bestimmte strengere Ahndung ein. ß. 13. Läßt der zur Beaufsichtigung des Viehes bestellte, an sich tüchtige Hirte dasselbe unbeaufsichtigt gehen, oder überträgt er die Aufsicht einer hierzu untüchtigen Person, so trifft ihn eine Geldstrafe von zehn Sgr. bis zu drei Thalern. s. 14. Wenn das unter der Aufsicht eines an sich tüchtigen Hirten sich be ­ findende Vieh durch einen unabwendbaren Zufall zu dem Uebertritt auf ein fremdes Grundstück veranlaßt worden ist, so kann weder Pfandgeld noch Schadenersatz dafür gefordert werden; doch bleibt der Beschädigte zu dieser Forderung berechtigt, wenn der Hirte von jenem Zufalle nicht binnen 24 Stunden entweder ihm, dem Beschädigten, oder der Orts ­ polizeibehörde Anzeige gemacht hat. tz. 15. Ist der Uebertritt des Viehes auf ein fremdes Grundstück von dem an sich tüchtigen Hirten verschuldet, so hängt es von der Wahl des Be ­ schädigten ab, ob er sich wegen des Psandgeldes und Schadenersatzes an den Hirten, oder an den Besitzer des Viehes halten will. Thut er das Letztere, so bleibt dem Besitzer des Viehes der Regreß gegen den Hirten vorbehalten. §. 16. Außerdem soll in den Fällen des 8. 15 der Hirte, wenn er vorsätzlich das Vieh auf das fremde Grundstück getrieben hat, mit der im 8- 12 bestimmten Strafe belegt, wenn ihm aber nur eine Vernachlässigung der Aufsicht über das Vieh zur Last fällt, mit Geldbuße von 10 Sgr. bis zu 3 Thalern bestraft werden. Auch kann der Hirte schon wegen einer solchen Vernachlässigung von seinem Herrn des Dienstes sofort entlassen werden. Liegt eine wiederholte vorsätzliche Uebertretnng vor, so ist der Herr zur Entlassung des Hirten auf Verlangen des Beschädigten durch den Kreisrath anzuhalten. 8- 17. Was in den 88- 2—16 verordnet worden, findet auch auf gemeinschaft ­ liche Heerden und deren Hirten Anwendung. 8. 21. Jeder Theilnehmer eines gemeinschaftlichen Hütnngsrechts ist bei dessen Ausübung verpflichtet, sein Vieh dem gemeinschaftlichen Hirten vorzu ­ treiben'und von diesem hüten zu lassen, sofern ihm nicht das Recht, eine besondere Heerde auf die gemeinschaftliche Weide zu treiben, herkömmlich oder vermöge besonderen Rechtstitels zusteht. Das Elnzelhüten ans Wiesen ist dem Eigenthümer derselben resp. dessen Stellvertreter gestattet, auf denjenigen Wiesen, welche dem all ­