18 1850 §. 8. Hat sich ein Dienstbote bei Mehreren zugleich vermiethet, so hat derjenige den Vorzug, mit welchem der Vertrag zuerst geschlossen ist. Der Dienstbote hat Miethgeld und Schaden dem Nachstehenden zu ersetzen, dieser habe denn um die frühere Vermiethung gewußt, in welchem Falle das Miethgeld an die Armenkasse im Wohnorte des Dienstherrn fällt. (Regbl. 1861 S. 1). Außerdem trifft den Dienstboten, welcher sich rechtswidrig bei verschiedenen Herrschaften zugleich vermiethet und von mehr als Einer Miethgeld angenommen hat, eine Geldbuße von 5 bis 20 Thlr. oder Gefängniß von 8 Tagen bis zu 4 Wochen. §. 9. Die Zeit des Dienstantritts hängt vom Vertrage ab. Ist nichts bestimmt, so sind die Antritts- und Abzugstage im Fürstenlhum Waldeck der 11., 12. und 13. November und im Fürsten ­ thum Pyrmont die nächsten zwei Tage nach Ostern und nach Michaelis. §. 10. Weigert sich der Dienstherr, den Dienstboten anzunehmen, so verliert er das Miethgeld und muß dem Dienstboten auf ein Vierteljahr Lohn und Kostvergütung gewähren. Dieser Anspruch kann sofort nach der Weigerung geltend gemacht werden und findet derselbe auch dann statt, wenn der Dienstbote im Laufe des Vierteljahrs anderweit in Dienst tritt. §.11. Der Dienstherr kann von dem Vertrage zurücktreten, wenn er von dem Dienstboten durch falsche Augaben über persönliche Verhältnisse oder durch deren Verheimlichung auf eine Weise getäuscht ist, daß dadurch dem Dienstherrn Schaden erwachsen kann. §. 12. Ein Gleiches gilt, wenn der Dienstbote mit ansteckender, Ekel erregender, oder die gehörige Dienstführung hindernder Krankheit behaftet, wenn eine Magd schwanger ist, und wenn der Dienstbote sich einer Ver ­ untreuung schuldig gemacht hat, ohne Zeugnisse ehrlichen Betragens aus den letzten drei Jahren beibringen zu können. Diese Umstände berechtigen jedoch den Dienstherrn nur alsdann znm Rücktritt, wenn sie ihm vorher nicht bekannt gewesen sind. §. 13. Tritt der Dienstbote ohne rechtsgenügenden Grund den Dien st nicht an, so ist er auf Verlangen des Dien st Herrn zum Dienstantritt anzuhalten. Der Dienstherr kann jedoch auch einen andern Dienstboten annehmen, und Ersatz der etwaigen Mehrausgabe verlangen. §. 14. Der Dienstbote kann vom Vertrage zurücktreten, wenn der Dienstherr vor dem Dienstantritte seinen Wohnort ändert und dies dem Dienstboten bei Eingehung des Dienstvertrags nicht bekannt gewesen, tz. 15. Desgleichen, wenn der Dienstbote durch Krankheit oder sonstigen un ­ verschuldeten Grund unfähig zum Dienste wird, tz. 16. Wird die Unfähigkeit wieder gehoben, so kann der Dienstherr den Dienstantritt, und der Dienstbote die Annahme in den Dienst verlangen; letzterer jedoch nur dann, wenn der Dienstherr inzwischen noch keinen andern Dienstboten gemiethet hat, und er den Lohn eines etwa an ­ genommenen zeitweiligen Vertreters erstattet, tz. 17. Schließt ein weiblicher Dienstbote ein gültiges Eheverlöbniß oder eine Heirath, oder erhält ein männlicher Gelegenheit zur Einrichtung einer eigenen Wirthschaft, die er durch Anshaltung der Dienstzeit verlieren würde, oder wird ein Dienstbote seinen Aeltern in deren eigenem Haus ­ wesen, zur Pflege im Alter oder in Krankheiten, nach obrigkeitlichem Ermessen, unentbehrlich, so kann ein solcher Dienstbote nicht gezwungen werden, den Dienst anzutreten, er ist jedoch verbunden, die Herrschaft für den höhcrn Lohn, welcher etwa dem an seine Stelle gemietheten Gesinde gegeben werden muß, zu entschädigen und bei Vermeidung auch sonstigen Schadenersatzes der Herrschaft zeitig Anzeige zu machen. Der Dienstbote darf sich jedoch nicht anderwärts vermiethen.