2 Mauern noch jetzt in das unmuthige Thal der Lahn hernieder schauen, erblickte er zuerst das Licht der Welt. Landgraf Wilhelm, der beglückte Vater, der einen Knaben auS erster Ehe nebst der geliebten Gattin Jo- lantha, einer Tochter des Herzogs Friedrich von Loth- ringen, zu früh verloren, hatte sich am 20. Oktober 1500 zum zweitenmal auf das Drängen der Räthe und Stände des Landes vermählt und zwar mit Anna, der Tochter Magnus II., Herzogs von Mecklenburg, die mit einer hervorleuchtenden Schönheit viel Ehrgeiz und einen männlichen Geist besaß, und außer einer früh verstor- benen Tochter, Magdalene, ihren Gemahl mit Elisa- beth, der nachherigen Gemahlin Herzogs Johann von Sachsen, geboren am 4. März 1502, beschenkte. — Wie sonderbar das menschliche Geschick oft wechselt; Landgraf Wilhelm, den man als zweiten Sohn Ludwig des Herz- haften (4 1471 im 34sten Lebensjahre) zum geistlichen Stande bestimmte, wurde, während sein Bruder Wil- helm I. Niederhesscn mit Ziegenhain, und sein Vetter Wilhelm III., ein Sohn Heinrich III., Oberhessen und Nidda besaß, im Jahre 1500 Regent von ganz Hessen, das seit 42 Jahren, seit dem Tode Ludwigs des Fried- samen, unter mancherlei Streitigkeiten getheilt gewesen war. Allein die sorgfältige Erziehung, welche ihm zu dem Ende geworden, brachte ihm und dem Lande, dessen Regierung er später übernahm, deshalb doch keinen Schaden. Sie verschaffte ihm, verbunden mit Muth, Kühnheit und Gegenwart des Geistes, die besondere Gunst seines Erziehers und Oheims mütterlicher Seite, Eberhards des Bärtigen zu Stuttgardt, so daß er den- selben auf allen Zügen begleiten mußte, und dieser so- gar, wie man glaubte, ihn wegen der verdrießlichen Händel mit Eberhard dem Jüngeren zu seinem Erben