224 Infusionsbehandlung mit PAS Aus der Lungenheilstätte Stadtwald-Melsungen, Chefarzt Dr. Thomsen Infusionsbehandlung mit PAS Dr. U. Bormann Im Rahmen der heute allgemein üblichen kombinierten tuberkulostatischen Behandlung der Lungentuberkulose, deren Wert neuerdings angezweifelt wird, findet die Paraminosalicylsäure (PAS) eine ausgedehnte Verwendung. Im Gegensatz zum Isoniacid und den Thiosemicarbazonen ist die therapeutische Dosis eine recht hohe, denn zur Erreichung eines tuberkulostatisch wirksamen Blut- und entsprechenden Gewebsspiegels werden im Durchschnitt Tagesmen ­ gen von 10—14 g benötigt. Es ist daher nicht verwunderlich, wenn in vielen Fällen die für einen sehr langen Zeitraum notwendige Zufuhr des Medika ­ mentes von den Kranken abgelehnt wird, sei es, daß von vornherein Unver ­ träglichkeit besteht oder sich eine solche im Laufe der Zeit einstellt. Nicht immer gelingt es, durch Wechsel in der Art der Verabreichung in flüssigei oder fester Form die Behandlung weiterführen zu können. Daß zudem bei der besonders raschen Eliminierung der PAS durch die Nieren intakte Resorptionsverhältnisse von seiten des Magendarmtraktes be ­ stehen müssen, um die notwendige Höhe des Blutspiegels zu gewährleisten, braucht nicht betont zu werden. Der Vorschlag, durch Blockierung des tubulären Nierenanteils die Ausscheidung der PAS zu verzögern, hat keine Verwendung größeren Ausmaßes gefunden, da die Blocker selbst sehr oft zu Unverträg ­ lichkeitserscheinungen geführt haben, zudem ebenfalls recht hoch dosiert wer ­ den müssen. Es lag daher nahe, die PAS direkt auf parenteralem Wege dem Organismus einzuverleiben, wobei die intravenöse Dauertropfinfusion die Höhe und Kon ­ stanz des erforderlichen Blutspiegels am besten garantiert. Die Technik selbst ist einfach und erfordert bei Verwendung des entsprechenden Präparates der Fa. B. Braun, Melsungen, nur wenige Vorbereitungen, sodaß die Durchführung einer Behandlung auch in größerem Umfange ohne besondere Belastung des Pflegepersonals möglich ist. Bei Einstellung einer Tropfenzahl von 25—35 Tropfen in der Minute, bei Verwendung einer Kanüle mittlerer Stärke, haben wir niemals eine Throm ­ bophlebitis gesehen, allerdings legen wir auf eine regelmäßige Venenpflege, z. B. mit Hirudoidsalbe, größten Wert. Die Dauer der Infusion beträgt durch ­ schnittlich 3—4 Stunden, doch haben wir sie auch bis zu 6 Stunden ausgedehnt. Die Menge der zugeführten PAS beträgt bei Verwendung der Braun’sehen PAS-Lösung 14 g PAS-Natrium, d. h. 10 g der freien Säure, die in 500 ccm pyrogenfreiem Aqua bidestillata gelöst sind. Die Lösung ist isotonisch und dem ­ zufolge sowohl intravenös als auch intramuskulär oder subcutan zu injizieren. Vergleichsreihen mit PAS-Infusionspräparaten anderer Provenienz ergaben eine ausgezeichnete Verträglichkeit des Braun sehen Medikamentes. Insbeson ­ 1955