165 bindung zu einem größeren Molekül-Komplex. Hierdurch findet jedoch keine Umgruppierung der Atome in den kleinen Molekülen (latt, fondern nur unter teilweifer gegenfeitiger Abfättigung der ungefättigten Verbin ­ dungen eine Veränderung der phy(lkali(chen Eigenfchaften. Diefe polymere Form des Vinylalkohols, der Polyvinylalkohol, hat im Gegenfatz zu der nicht darflellbaren monomeren Form folgende Eigenfchaften: Er ifl ein weites bis gelbliches, geruch- und gefchmacklofes Pulver, in Waffer mit neutraler Reaktion löslich, in den meiflen organifchen Löfungsmitteln jedoch unlöslich. Nicht fäulnisfähig, erweifl er (ich gegen chemifche und phyfikalifche Einflüffe ganz außerordentlich widerflands- fähig und temperaturbefiändig, fodaß er wie kein anderer Körper bei 130 bis 140° verarbeitet werden kann. Chemifch gibt er Alkohol- und Kohlehydrat-Reaktionen. Er fleht als Alkohol durch die kettenförmige Anordnung (einer Moleküle zwifchen den Kohlehydraten und Zuckern und ifl fomit den Stoffwechfel-Produkten des lierifchen Organismus nahe verwandt. Er ifl das erfle (ynthetifche reverfible verfpinnbare Kolloid, Die Verfpinnfähigkeit erklärt (ich aus der kettenförmigen Anordnung der Moleküle, die in der Natur auch überall da auftritt, wo es (ich um Faferbildungen handelt. Bei der Verfpinnung des Fadens werden folgende Kautelen, die (eine abfolute Sterilität verbürgen, eingehalten: Der Polyvinylalkohol felbfl wird unter flerilen Bedingungen her- geflellt. Die aus ihm bereitete Fadenpafle wird nochmals einer Sterili- fation unterzogen. Die Verfpinnung der Fäden gefchieht bei einer Tem ­ peratur von 130 bis 140° und einem (atmofphärifchen) Druck von 150 Atü. Der Faden verläßt alfo abfolut (leril die Düfe. Zur Ausfchaltung der Reinfektion kommt der Faden während des ganzen Fabrikations ­ ganges und während der Verpackung mit der menfchlichen Hand und mit der Luft garnicht in Berührung. In dem Fabrikations- und Verpackungs- Raum herrfcht die Jlrenge Afepfis des Operationsfaales, fodaß nach menfchlichem Ermeffen und Vermögen alle Bedingungen erfüllt find, die die Gewähr für einen flerilen Faden bieten. Vor der Verwendung des Fadens aus Polyvinylalkohol als chirur- gifches Nahtmaterial wurde das Verhalten des Polyvinylalkohols im tierifchen Stoffwechfel unterfucht. Es konnte durch weitgehende Verfuche feflgeflellt werden, daß weder der Polyvinylalkohol noch feine lokalen Abbauflufen den Organismus in irgend einer Form fchädigen. Er wird zum Teil im Körper verbrannt und zum Teil, bei intravenöfer Ein ­ führung fehr hoher Dofen, durch die Nieren im Harn wieder ausge- (chieden. Das Ausgangsmaterial als (olches ifl alfo reforbierbar. Bei der Herflellung des Fadens wird durch die Veränderung des kolloidalen Zu- (landes des Polyvinylalkohols der Faden unreforbierbar. Es gelingt jedoch, auch diefen Faden reforbierbar zu machen.