164 Synthofil, das neue synthetische Nahtmaterial In dem S t e r o f i I k liegt nun diefes Seidenwurmdarmmaterial bereits völlig gebrauchsfertig vor. Nach einem befonderen Verfahren fierilifiert, iß es blau gefärbt, um ein deutliches Erkennen der Lage der Fäden im Gewebe zu ermöglichen. Das Sterofilk wird, in ßeriler Flüfßg- keit liegend, in Glasröhrchen geliefert, die je 10 Fäden der bezeich- neten Stärke enthalten. Der Preis iß heute fehr niedrig gehalten, fodaß jicn aie Ver ­ wendung von Steroßlk für entfprechende Fälle auch recht wirtßhaftlich geßaltet. Herßeller des Steroßlks iß die Firma B. Braun, Melfungen. Origmalarbeiten. Synthofil, das neue fynthetifche Nahtmaterial. Von Dr. B. Braun. Seitdem es Katgut gibt, gibt es ein Katgut-Problem, es heißt Sterilität und Zugfeßigkeit. Es iß bedingt durch das tierifch-organifche Äusgangsmaterial, das zur Herßellung des Katguts verwendet wird. Eine reßlos befriedigende Löfung diefes Problems durch Anwendung chemifcher oder phyßkalifcher Mittel iß ßhwer zu verwirklichen. Sie iß nur auf eine Art möglich; Durch die Schaffung eines fynthetifch-organifchen Fadens, der aus einer ßerilißerbaren Subßanz beßeht und unter afeptifchen Be ­ dingungen unter Ausfchaltung der menfchlichen Hand während der Fabri ­ kation und der Verpackung herzußellen iß. Verfuche in diefer Richtung gehen (chon Jahrzehnte zurück. In unferen Laboratorien wurde früher verfucht, aus Kollagen, bzw. aus Gelatine einen Faden zu (chaffen. Die Refultate befriedigten aber in keiner Weife. Roith und Dürk berichten über einen unreforbierbaren Zellulofe-Faden, den Syrius-Faden, der jedoch nicht zugfeß und deffen Ausgangsmaterial Temperaturen von über 100° gegenüber nicht reßßent war, Chriß erwähnt einen ähnlichen Faden, das Krinol, das ßch praktifch ebenfalls als unbrauchbar erwies. Erß mit der Entdeckung und Erforfchung des Polyvinylalkohols durch W. O. Herrmann und Wolfram Haehnel von der Chemifchen Forfchungsgefellfchaft m. b. H. München, wurde ein bisher völlig unbe ­ kannter chemifcher Körper gefunden, der alle Anforderungen erfüllt, die an den Grundßoff eines fynthetifchen Nahtmateriales geßellt werden müffen. Es handelt fich bei dem Polyvinylalkohol um einen fogenannten polymerißerten Körper. Man verßeht unter Polymerifation die ketten ­ förmige Aneinanderreihung der kleinen Moleküle einer chemifchen Ver ­ 1937