144 Über physiologische Kochsalzlösungen und Sterofundin über »phyfiologifche Kochfalzlöfungen« und »Sterofundin«. Von Dr. F. Hammer. In den letzten Jahren greift immer mehr die Erkenntnis um (Ich, dafi die bisher gebräuchliche, fogenannte »phyfiologifche Kochfalzlöfung«, die bei ffarkem Blutverlufl zur Auffrifchung der Blutmenge benutzt wird, nicht fo harmlos ift, wie bisher immer angenommen wurde. Es hat (ich gezeigt, dafj diefe 0,9 %ige Kochfalzlöfung auf verfchiedene Organe, fpeziell auf Herz und Leber von nachteiligem Einfluß fein kann, ja, es wurden fogar direkte Schädigungen an Organen feftgeftellt. Die Urfadie diefer nachteiligen Wirkungen ift in der Zufammenfetzung der phyfiolo- gifdien Kochfalzlöfungen zu fuchen. Eine Infufionslöfung kann nur dann einen gewiffen Erfatz der verlorengegangenen Blutmenge bilden, wenn (ie dem Blut hinfichtlich des osmotifchen Druckes, des Gehaltes an anor- ganifchen Salzen und der Reaktion möglich fl weitgehend entfpricht. Bei einer einfachen Auflöfung von 0,9 g Kochfalz in 100 g Waffer dürfte dies wohl nicht der Fall (ein. Wohl wird immer betont, dafi die 0,9 %ige Kochfalzlöfung dem Blutferum »ifotonifch« (ei, al(o mit dem Blut in (einem osmotifchen Druck überein(limme, aber es konnte feftgeftellt werden, dafä der osmotifche Druck an (ich allein nicht ausfchlaggebend für die Wirkfamkeit der Löfung ift, fondern dafi eine zur Infufion verwandte Löfung auch in ihrer Jonenzufammenfetzung dem Blutferum ähnlich, wenn nicht gleich, (ein mufj. Im Blutferum find nun nach Abderhalden, Kramer, Tisdall u. a. m. nachfolgende Jonen feftgeftellt worden: Na", K •, Ca”, Mg”, CI’, HC0 3 ’, H P0 4 ’ ’ und S0 4 ’ ’, wobei allerdings Na : und CI Jonen die Hauptmenge bilden. Es leuchtet aber ein, dafi die übrigen Jonen nicht umfonft im Blut enthalten find, fondern dafi auch (ie eine Aufgabe zu erfüllen haben. Eine »phy(iologi(che Kochfalzlöfung«, die nun nur die Na: und CI '-Jemen enthält, kann alfo von vornherein als nicht zweckentfprechend angefehen werden. In einer Infufionslöfung muffen alfo neben den Natrium- und Chlor-Jonen mindeftens noch die Kalium- und Kalziumionen und, aus einem befonderen Grund, der (päter erklärt werden wird, auch HC0 3 ! und HPO t ’ ’-Jonen enthalten fein. Der osmotifche Druck des Blutes wird gemeffen durch die Gefrier ­ punktserniedrigung mittels des Kryojkopes. Sie beträgt bei normalem Blut im Mittel = 0,56° und entfpricht einem osmotifchen Druck von ca. 7 Atmofphären. Stellt man (ich alfo eine Löfung der vorgenannten Jonen im Waffer her, fo ift (ie dem Blut dann ifotonifch, wenn die Löfung eine Gefrierpunktserniedrigung von ebenfalls 0,56° aufweift. Die Reaktion des Blutplasmas ift (chwach alkalifch. Befiimmt man die Reaktion mit Hilfe der Wafferfloffionenkonzentration, fo ergibt (ich für das Blut bei 18° eine Wafferfloffionenkonzentration von 0,44'TO' 7 , was einem pn von 7.36 entfpricht. Im normalen Blut gibt es nur geringe 1931