140 Resorbierbare Knochennägel Aus der chirurg.-orthopäd. Klinik »Eduardus-Haus« der Jof.-Gefellfch. in Köln. Reforbierbare Knochennägel. Von Dr. Wiemers, Leiter der Klinik. Zur Vermeidung der Schäden, welche den »Inneren Schienen« (Lane, Lambotte ufw.) und den Methoden von Borchhard, Kirfdmer, Magnus ufw. anhaftet, welche fämtlich zur Fixation der Knochen Metall verwenden, hat der Vortragende feit Jahren Verfuche mit reforbierbaren Nägeln gemacht. Zweck der Verfuche war, ein Material ausfindig zu machen, das die Funktion eines Nagels hat, ohne Jedoch Fremdkörper- fchädigung hervorzurufen. Am geeignetfien hierzu erfchien entkalkter Ochfenknochen, der in Nagelform gebracht wurde. Die Flerfiellung iß folgende: Frifcher Ochfenknochen wird in kleinfingerdicke Streifen zerfägt, entfettet und in verdünnter Salzfäure langfam entkalkt. Nach forg- fältiger Entfäuerung werden die Streifen getrocknet. Die Konfiflenz der fo gewonnenen entkalkten Knochenfiücke iß die eines zähen Hartholzes, Die einzelnen Stücke laffen (ich mittels eines Glaspapierfchleifrades bequem in die gewünfchte Form bringen, von 3-4 cm Länge bis zu 7-8 cm Länge und einen Durchmeffer von 2-5 mm. Eine Ausfparung eines ver ­ dickten Endes (eines Kopfes) kann nach Belieben erfolgen. In diefem Zuftand find die Nägel unbegrenzt haltbar und verwendungsbereit. Vor der Operation werden fie in Alkohol bzw. Jodtinktur eingelegt. Soll die Reforptionsdauer vergrößert werden, fo kann Härtung in Chromfäure erfolgen. Die phyfikalifchen Eigenfchaften diefer Nägel find für die Zwecke der Verwendung günfiig. Sie haben, wie bereits gefagt, eine zäh-elaßifche Konfißenz, find abfolut nicht brüchig, fondern biegen (ich höchßens bei ßärkßem Druck. Andererfeits befitzen fie auch nicht die Härte eines ge ­ wöhnlichen Knochen- oder Elfenbeinnagels, woraus (ich die Notwendigkeit ergibt, die Stellen, welche genagelt werden (ollen, vorzubohren. Iff der Nagel in das Bohrloch eingetrieben, fo fetzt ziemlich bald eine Quellung des- felben ein, welche ein (ehr ftarkes Haften in dem Bohrloch bewirkt. Selbfiverfländlich muß das Bohrloch der Nageldicke genau angepaßt fein. Im Laufe von etwa 6 Wochen wird der gewöhnliche »Leimnagel«, wie ich kurz die entkalkten Knochennägel nennen möchte, reformiert, ein Zeitraum, welcher vollkommen genügt, um eine feße Verklebung der genagelten Knochenteile zu ermöglichen. In der erflen Zeit nach der Nagelung beßtzt der Nagel eine große Zug- und Druckfeßigkeit. Auch gegen Abfcherung iß er (ehr widerflandsfähig. Technik der Nagelung iß relativ einfach. Mittels eines Pfriems (bei fpongiöfen Knochen) oder eines Bohrers (bei kompakten Röhrenknochen) 1929