120 Das Steril-Katgut-Kuhn Ein Jubiläum Das Steril-Katgut-Kuhn. Ein Jubiläum. In diefen Tagen werden es 25 Jahre, daß die Gelatina ßerilifata erfand. Es wäre das an (Ich vielleicht nicht (o bemerkenswert, obwohl auch die Verwendung der Gelatine zu Blutßillungszwecken im Frieden und im Kriege ihre Triumpfe feierte, wenn die Gelatine nicht die Mutter des Katguts in feiner jetzigen Gepalt und Herßellung wäre. Fs wird vielleicht manchen Lefer interejßeren zu hören, wie das ge ­ kommen i(J. Zunächß wird er vielleicht den Kopf (chütteln, wenn er hört, daß es kaum erß 25 Jahre her ßnd, daß man den Menjchen bei Gelegenheit einer BlutfHllung oder bei einer Operation noch kaltblütig tierifche Stoffe einverleibte, welche Träger von lebenden Tetanuskeimen waren. Man wird zweifellos fragen, wie dies bei den Jehon damaligen Fortfehritten auf dem Gebiete der Medizin und Chirurgie möglich gewefen i(J. Und doch waren noch Jolche Lücken im klinifchen Ärzneifchatze möglich. Die Wege der klinifchen Forjchung ßnd eben Verfehlungen, und die Flintergründe der klinifchen Tatfachen ßnd oft dunkel und ver ­ worren. Es war im Sommer des Jahres 1901, als F. Kuhn, damals Leiter des Elifabeth-Krankenhaufes in Gaffel, folgende Beobachtungen machte: Ein Kollege hatte ihm einen achtjährigen Jungen in das Kranken ­ haus eingeliefert, der nach einer Halsoperation eine (chwere Nachblutung bekam und den behandelnden Arzt - infolge der Unßillbarkeit der Blutung - in fehr große Verlegenheit brachte. In (einer Not griff der Arzt zu der damals bereits in Aufnahme gekommenen Behandlung mit Gelatine-Einfpritzung, und zwar fpritzte er die Gelatine unter die Haut in das obere Bein des Kindes. Die Blutung ßand, aber dafür erkrankte der Junge mit Fieber und fthweren Allgemeinerfcheinungen, (odaß er eben dringend in das Krankenhaus aufgenommen werden mußte, Dafelbß konnte es auf Grund der weiteren Beobachtungen nicht zweifelhaft erjeheinen, daß die Zunahme der Er ­ krankung des Kindes mit der erfolgten Gelatine-Einfpritzung in Zufammen- hang ßand; denn die Stelle der Einfpritzung war ßark angefchwollen, verfärbte ßch mehr und mehr und ging auch noch andere Veränderungen ein. Gleichzeitig zeigten ßch bei dem Jungen beginnende Erjcheinungen von Wundßarrkrampf: Zuerß die bekannten Kieferkrämpfe und fpäter auch die Steißgkeiten der Nacken- und Rückenmuskulatur. Zur depni- tiven Aufklärung des Sachverhaltes griff Kuhn natürlich zum Tierexperiment. Es mußte bewiefen werden, daß der Wundßarrkrampf an der eingefpritzten Stelle vorhanden war. Es wurden daher 4 Kaninchen aus den Gewebe ­ 1926