Nhktll-lLegeNÜe / Von Heinrich Muppel / Mit lfotos von Helmut löernecher. Ich erwachte, vom Wind gewiegt und von Sonne gebadet, aus gründämmernden Träumen zu lich ­ tem Leben, Aehre unter Aehren, ein weithin wal ­ lendes, goldenes Meer. Auf ragendem Halm stand ich wie alle meine Schwestern, wir schaukelten auf und nieder, tanzten hin und her. Der Wind strich uns über die grannigen Schöpfe und trug uns Grüße duftenden Blütenstaubes von sanftgewellten Nach ­ barfeldern zu, die wir voll sehnsüchtigen Verlan ­ gens erwarteten. Die Sonne des Tages, der Tau der Nacht, der rieselnde Regen und der Zorn des Gewitterwindes — sie alle gaben uns, was uns not war: Glut und glutstillenden Trank, Kraft und kraftsteigernden Kamps. Der Windstoß, der vor Blitz und Donner daherfuhr, lehrte uns demütig fein und das Haupt zur Erde neigen. Doch die Sonne, die den siebenfarbigen Bogen auf die graue Regen- wand malte, erhob uns Gebeugte wieder und ließ uns freudig wogen und wachsen. Kornblumen, Ra ­ den und Rittersporn streuten ihre leuchtenden Far ­ ben in das gilbende Graugrün der Halme; Lerchen ließen ihre seligen Sommerlieder aus blauen Höhen niederperlen, und vom Grund herauf kam das Ge ­ läut der Glocken und zuweilen das Brausen der Stimmen zum frommen Klang der Orgel. Gesegnet waren wir und wurden schwerer und schwerer. Wir neigten uns erdwärts, von dannen wir gekommen. Denn alles, was von der Erde aufwärts kommt, muß wiederum zu ihr hinab. Wir bargen kaum die Fülle der schwellenden Körner in unseren spel- zenen Schürzlein, und manchmal knisterte es, als wollten die Körnlein die Hülle zersprengen und uns entspringen, um Zuflucht in der Scholle zu suchen. Sonntag wnr's. Da gingen der Altbauer und die Bäuerin geruhsam und bedächtig des Weges, umwandelten das große Geviert des Roggenackers und schauten, die Augen mit der Hand beschattend, über das ruhende Halmenmeer. Der Wind schlief, und über uns flirrte die Luft in brütender Hitze. Der Bauer sprach von Reife und Ernte. Sein Herz war voll Freude; seine Augen gingen liebevoll über unsere segenträchtige Schwesternschaft, und sein Ohr vernahm das Rauschen der Halme, die schnittreif fallen. Am anderen Tag kam der Iungbauer mit sei ­ nem Gespann am Mäher. Er fuhr am Saum des Feldes entlang, und die Maschine ratterte eine Melodie des Todes. Wir hörten es mit leisem