den Reisenden, wie auch bei den Zuschauern un- fehlbar schwere Nervenkrankheiten erzeugen würde. Damit wenigstens die Zuschauer Schutz fanden, wäre es angebracht, den Bahnkörper mit einem hohen Bretterzaun zu umgeben. Andere Feinde des Bahn ­ baues suchten das Volk davon zu überzeugen, daß infolge des plötzlichen Luftdruckes ältere Leute leicht vom Schlag getroffen werden könnten, auch sei der Grund und Boden unerschwinglich teuer. Ein anderer „Sachverständiger" erklärte, daß der Fährbetrieb mit Dampfwagen im Interesse der öffentlichen Gesundheit zu untersagen sei, die schnelle Bewegung erzeuge unfehlbar Gehirnkrankheiten, wie- entgegenstemmten. niederzuringen. 1849 wurde die nach dem Kurfürsten Friedrich Wilhelm benannte Nordbahn eröffnet, die Kassel mit Thüringen ver ­ band. Auch Melsungen und verschiedene andere Kreisorte wurden damit an das Bahnnetz ange ­ schlossen. Posthalter, Fuhrwerksbesitzer und Schif ­ fer hatten durch die Eröffnung der Eisenbahn gro ­ ßen Schaden. Es wurden aber auch neue Verdienst ­ möglichkeiten geschaffen. Eine glanzvolle Eröffnungsfeier fand unter sehr starker Beteiligung der Bevölkerung des Kreises Melsungen auf dem Gelände bei Guxhagen, dicht am Fuldaflusse statt, wo schroffe Höhenzllge mit „Erster Spatenstich" an der Friedrich Wilhelm-Nordbahn oberhalb Guxhagen (Zeitgen Liryogr.) der andere führten an, daß insbesondere die Fuhr ­ leute arg geschädigt würden, und daß auch der Fort ­ fall des Ehausseegeldes schwer zu verschmerzen sei. Der bitterste Gegner der Eisenbahn, der General ­ postmeister Nagler, brach bei der Warnung in die Worte aus: „Dummes Zeug! Ich lasse täglich diverse Sechssitzposten nach Potsdam abgehen, und es sitzt niemand drinnen. Nun wollen die Leute gar eine Eisenbahn bauen. Wenn Sie Ihr Geld' absolut los werden wollen, so werfen Sie es doch lieber gleich zum Fenster hinaus, ehe Sie es zu solchen unsinnigen Unternehmen hergeben." Weiter wurde gegnerischerseits entgegengehalten, die Bahn werde den Import erleichtern, und die notwendige Folge werde ein noch tieferes Sinken der Korn- und Holzpreise und der andern Produkte sein. So gelang es erst nach hartnäckigem Kampfe alle Widerstände, die sich dem Fortschritt der Zeit steil abfallenden Wänden, die an die Kreidcfor- mation des Karst erinnern, gleichsam als ein wür ­ diger Rahmen des Bildes hervortreten. Der Berg mußte in einem Tunnel durchstoßen werden. Ein jeder Teilnehmer spürte den Flügelschlag einer neuen Zeit. Die Fabriktätigkeit hatte einen lebhaften Auf ­ schwung genommen, Handel und Wandel waren nicht aufzuhalten. In Melsungen blühte die Tuchindustrie. Heute würde es keinem Menschen mehr einfallen, mit den in den dreißiger Jahren des vorigen Jahrhunderts vorgebrachten Argumenten gegen die Eisenbahn zu Felde zu ziehen. Denn er würde nur still belächelt werden. Wir empfinden es als Selbstverständlichkeit, wenn wir in Melsungen in den Zug steigen, daß wir heil und gesund nach drei ­ viertel Stunden Fahrt in Kassel landen. Für die Schrifttettung verantwortlich: Paul Woicke, Melsungen. Verantwortlicher Anzeigenleiter: Martin Bär, Melsungen. MA. 1934: 1500. Druck und Verlag von A. Bernecker, Melsungen.