Lieber Geschichtsauffassung. 43 tionsmittel hat durchweg die Gestalt der Ersetzung seiner Glied ­ maßen und Muskelkraft durch mechanische Werkzeuge und andere Kraftquellen angenommen. Darüber ist bereits einiges gesagt worden und wird später abermals gesprochen werden, aber die Äusbildung des menschlichen Geistes als Produktions ­ mittel soll noch kurz gestreift werden. Es ist eine mächtige Organisation, die diesem Zwecke dient, in tausenden von wissenschaftlichen Einrichtungen werden der Natur ihre Geheimnisse entlockt, in abertausenden von Instituten werden die so gewonnenen Kenntnisse gesammelt, geordnet und zur praktischen Verwertung in Technik und Industrie bearbeitet; in Schulen und Universitäten, in Werkstätten und Kontoren werden die Ärbeiter vor- und ausgebildet, und die Presse und der Büchermarkt verbreiten die Produkte menschlicher Geistes ­ arbeit über den ganzen Erdball. Enorme Fortschritte sind in • den letzten hundert bis hundertundfünfzig Jahren gemacht worden, aber viel mehr, unendlich viel mehr bleibt zu tun übrig. Die Schule hat ihr Motiv mehrfach geändert, von der Erziehung guter Christen bis zur Äusbildung guter Staatsbürger und brauch ­ barer Ärbeiter, aber in der ganzen Entwicklung hat das Ideal der Ärbeitsersparnis, dem wir die technischen Fortschritte ver ­ danken, bisher nur wenig und recht unvollkommene Beachtung gefunden. Dort hat man längst erkannt, daß nicht die Zu ­ bereitung des Materials sondern die Vervollkommnung der Maschine Fortschritt erzeugt, hier tritt die Äusbildung des Geistes noch immer zurück hinter der Äuswahl und Zubereitung des Stoffes; nicht die Fähigkeit, sich Kenntnisse anzueignen, sondern die Uebermittlung fertiger Kenntnisse bleibt oberstes Prinzip der Erziehung. Das Resultat ist eine enorme Kräfte- und Zeitvergeudung und sehr mäßiger Erfolg in der wirklichen Äusbildung des Geistes. Es ist leider unmöglich, an dieser Stelle weiter auf diese bedeutsame Erscheinung einzugehen oder ihre Ursachen auch nur flüchtig zu erwähnen.