349 Neues Rätsel des Ortsgr.-L Steinbach-Hemebach: Der Preis für das Ferkelchen, Aufgabe in Nr. 37, betrug 85 899 345,91 RM. Richtige Lösungen gingen ein: tzauptm. Schließ er-Felsberg, Obgefr. A. Bern- Hauer- Melsungen, Gefr. E. Stange- Connefeld, Uffz. <8. Schönewald - Körle, Gefr. O. F i n k - Guxhagen, Wachtm. H. Werner- Heinebach, Gefr. G. Böig t, Uffz. G. Fra n k- f u r 1 - Hernebach, Obergefr. W. G l e i m - tzeinebach. Obergefr. Kersten - Altmorschen, Obergefr. H. Küllmer - Heinebach, Obergefr. K. Bi e r mann - Wichte, Obergefr.. K. Kurz ­ rock-Elbersdorf, Gefr. F. Meister-Röhrenfurth, Uffz. H. R ö v e r - Melsungen, Obergefr. H. T h o m a s - Wollrode, Uffz. W. S t ö b e l - Altmorschen, Obergefr. 3 ü l ch - Empfershausen. ^-Scharführer Meyer- Altmorschen, Obergefr. A. D i s ch e r, Ogfr. G. S1 a n g e - Heinebach, Feldp.-Schaffner I. Groß - Gen ­ sungen, Ogfr. H. B e ck e r - Heinebach, G. H o l st e i n - Heinebach. — Gefr. Voigt hat ausgerechnet, wenn sich jemand am Anfang der Zeitrechnung ein Ferkel auf Abschlagszahlung gekauft und jeden Monat 75 RM. abgezahlt hätte, wäre jetzt die Rechnung beglichen. Neue Aufgabe: Onkel Lorenz von G ü n st er o d e ist schon lange Jahre tot, aber die ganze Gemeinde hat ihm bis auf den heutigen Tag ein gutes Andenken bewahrt. Trotz seiner vielen Aemter, die er in seiner lieben Gemeinde betreute, wie Nachtwächter, Totengräber, Orgeltreter usw. mußte er doch einen harten, persön ­ lichen Lebenskampf führen. Onkel Lorenz war sehr darauf bedacht, daß seine zwei Söhne und auch seine vier Töchter tüchtige Menschen werden sollten. Sein ältester Sohn, der Johannes, war schon 7 Fahre bei den Soldaten und hatte es bereits zum Feldwebel gebracht. Auf diesen Jungen waren der Vater Lo ­ renz und auch die Mutter Karline ganz besonders stolz. Michel, der zweite Funge, hatte Chauffeur gelernt und arbeitete zur wei- leren Ausbildung in einer großen Fabrik. Der Michel sollte sich dann später einmal eine eigene Chauffeurfabrik in Melsungen zulegen. Das älteste Mädchen Hannchen und die jüngste Tochter Anna hatten mit der Heiraterei großes Glück gehabt. Sie hatten beide auf ein schönes Kuhwerkchen geheim ratet. Die Martha und die Ella waren auch schon verlobt; doch wollten sie sich noch was verdienen, ehe sie Heimteten. Onkel Lorenz, der durchaus keine großen Ansprüche an das Leben stellte, hatte aber eine kleine Leidenschaft: Er aß für sein Leben gern Sulperknochen. Früher, als die Kinder noch zur Schule gingen, holten sie im Feld das Futter und dann wurdo sich ständig em schönes Schwein gefüttert. Nachdem die Kinder nun alle fort waren, mußte Onkel Lorenz auf die Sulpew- knochen verzichten. Der Nachbar Fritz, welcher über die Lieb ­ haberei des Onkel Lorenz Bescheid wußte, kam eines Tages mit einer Kasseler Zeitung zu ihm, in der folgende Anzeige stand: „Morgen, den 15. Oktober, Sulperknochenessen im Gasthaus „Zur Traube", Obere Karllstraße Nr. 28." Beim studieren dieser Zeilen lief dem Onkel Lorenz schon das Wasser im Munde zusammen. Schnell veranlaßte er seine Karline, die am kommen ­ den Freitag, den 18. Oktober, nach Kassel fahren wollte, um sich eine neue Schürze und einen neuen Unterrock zu kaufen, daß sie ihre Reise schon auf den Dienstag verlegte, um dann gemeinsam an dem Sulperknochenessen teilnehmen zu können. Karline, welcher an den Sulperknochen wohl nicht so ganz viel lag, aber um so lieber ein Schnüpschen trank, war mit dem Vorschlage ihres Mannes voll Und ganz einverstanden. Alle Vorbe ­ reitungen zu diesem Reisetag wurden getroffen. Onkel Lorenz, der sich am Spätnachmittage rasierte, war sehr ungehalten darüber, daß sein Messer so schlecht schneiden wollte. Karline hatte in der Nebenstube schon das Schimpfen mit angehört und rief ihm dann ärgerlich zu: „Was hast denn als für eine Schim ­ pferei mit deinem Messer, vor einer Stunde habe ich noch Kar ­ toffeln damit geschält und da schnitt es noch ganz gut." Freitag ­ morgen um 10 Uhr waren Onkel Lorenz und Tante Karline schon in Kassel. Nach langem Hin- und Herfragen waren sie um 12 Uhr an der Ecke Köuigsstraße—iFriedrichsplatz angekommen. Daselbst erkundigten sie sich bei einem Polizisten nach der Oberen Karlstraße. Dieser sagte ihnen: „Wenn sie schräg über diesen Platz gehen, dann stoßen sie genau auf die Obere Karlstraße." Karoline und Onkel Lorenz hatten es nun so verstanden, daß sie in schräger Haltung über den Friedrichsplatz gehen mußten. Also legten sie sich ganz schief zur Seite und gingen in schräger Haltung über den Platz. Am anderen Ende angekommen, sagte Onkel Lorenz: „Da verliert man aber doch den Appetit auf Sulperknochen." Auch Karoline schimpfte wie ein Rohrspatz, denn sie hatte bei dem schrägen Gange Seitenstechen bekommen. Doch aller Schmerz war vergessen, als sie die Sulperknochen-Wirt- schaft gefunden hatten. Onkel Lorenz aß nun zwei Portionen und trank ein Schnüpschen dazu. Karline aß eine Portion und trank zwei Schnäpse dazu. Karline mußte nun 65 Pfennige be ­ zahlen und Onkel Lorenz 85 Pfennige. Nun, liebe Soldaten, rechnet mal aus, was die Portion Sulperknochen und was ein Schnävschen gekostet hat. Schickt mir die Lösung dann nach Heinebach ein. Der Onkel Lorenz ist sehr alt geworden. Als er eines Tages spürte, daß er sterben mußte, legte er sich zu Bett. Karline und die Nachbarsleute hatten um das Bett Aufstellung genommen. Onkel Lorenz, der schon über eine Stunde die Augen geschlossen hatte, schlug sie auf einmal wieder plötzlich auf und sagte: „Liebe Karline, höre doch mal zu, unten im Dorfe den Möllers habe ich mal helfen dreschen, dafür bekomme ich noch 80 Pfg., die läßt du dir geben. Dann bekomme ich noch 1,80 M. voU Schweinsbergs, den hatte ich 10 Besen gemacht und von Horns bekomme ich auch noch 90 Pfg. für 5 Besen, dies Geld läßt du dir auch geben." Ganz leise sagte dann Karline zu den am Sterbe ­ bett stehenden Nachbarsleuten: „Hört doch mal an, liebe Leute, was mein lieber Lorenz noch bei so ganz klarem Verstände ist." Nach einem Weilchen schlug der Sterbende noch einmal die Augen auf und sagte: „Karline, hör noch mal zu. Unten im Ziegeiy- stalle da liegt auf der Mauer ein Wetzestein, der gehört Möllers, den mußt du ihnen wiedergeben, ebenfalls gehört ihnen der Strick an unserer neuen Kötze. Dann bekommt in Spangenberg de.- Mohr noch 1.20 M. für Besendraht, das mußt du ihm bezahlen, auch bekommt der Aßbrands Doktor in Melsungen noch 4 Pfun? Wurstefett bezahlt. Das Geld mußt du ihm auch noch geben." Kar ­ line sprach so ein bißchen ärgerlich zu den Nachbarsleuten: „Vor kurzem war mein Lorenz noch bei klarem Verstände und jetzt da schwätzt er wieder alles durcheinander." Mit einem milden Lächeln hat dann der liebe Onkel Lorenz die Augen für immer geschlossen. In einem hinterlassenen Schreiben hatte er die Feier seines Begräbnisses festgelegt. In dem Schreiben hatte er bestimmt, daß auf seiner Beerdigungsfeier die Melfunger Stadt ­ kapelle mitwirken sollte. Bon der Haustür bis zum Friedhofs sollte die Stadtkapelle die schöne Weise „Leb wohl, du grüne/ Wald" spielen. Auf dem Friedhofe sollte von der Stadtkapelle sein Lieblingslied „Am Brunnen vor dem Tore" erklingen. Fer ­ ner hatte er bestimmt, daß hinter der Friedhofshecke ein Faß Bier mit 25 Liter aufgestellt wurde, das sollten die Musikanten trinken, wenn sie vom Friedhofe kamen. Der Herr Bürger ­ meister, bei dem Onkel Lorenz das Schriftstück niedergelegt hatte sorgte dafür, daß die Stadtkapelle von Melsungen an dem Begräbnistage zur Stelle war und auch das Faß Bier stand an seinem Platze. Doch nun geschah es, daß die Beerdigungsfeier in einem eiskalten Winter stattfand. Kaum hatte sich der Trauerzug Stt Bewegung gesetzt, da erklangen auch die mächtigen Akkorde der Stadlkapelle. Doch kaum war man einige Schritte gegangen, da gab es bereits die ersten Mißtöne unter dep herrlichen Klängen, denn durch die furchtbare Kälte froren den Musikern nach und nach die Instrumente ein. Als der Zug auf dem Friedhofe ankam, war nur uoch der große Kaiserbaß im Takt und eine Klarinette quietschte noch so ein bißchen. Während der Beisetzungs-Feierlichkeit nahmen die Musikanten ihre In ­ strumente unter den Mantel, in dem guten Glauben, daß diese doch schnell wieder auftauen würden, damit sie dann nach dem Se ­ gen das Lieblingslied des Onkel Lorenz in seiner ganzen Voll ­ kommenheit vortragen könnten. Nachdem nun noch einmal all die großen Verdienste des Entschlafenen in Erinnerung ge ­ rufen worden waten und -die Schulkinder ein herzliches Ab- schiedslied gesungen hatten, setzten die Musikanten ihre In ­ strumente an und der Kapellmeister winkte zum Einsatz. Mi/ ganzer Lungenkraft stießen sie in ihre Hörner, doch siehe da. kein einziges Instrument gab einen.Ton ab, sogar der große Kaiserbatz und auch die letzte Klarinette waren eingefroren. Alles schaute sich mit großer Aufregung an und man stand ratlos um da/ offene Grab des lieben Onkel Lorenz. Der neue Totengräber er ­ kannte als erster die plötzliche Situation und stimmte das Lied- lingslied des Entschlafenen an und alle Anwesenden sangen' kräftig mit. Durch die furchtbare Kälte schnatterten die Frauen mit dem Kinn und der Gesang hörte sich wunderbar an, daß selbst Schubert sein Lied „Am Brunnen vor dem Tore" in solch einer Vollkommenheit niemals gehört hat. Als letzte verließen die Musikanten den Friedhof und nahmen ganz unauffällig hinter der Friedhofshecke bei dem Faß Bier Aufstellung. Doch bei dem Zapfen mußten sie zu ihrem Schrecken die Feststellung machen, daß das Bier zu einem Klumpen gefroren war. Musikanten wis ­ sen sich ja nun immer zu helfen. Von einem in der Nähe befind ­ lichen Strohhaufen holten sie schnell einige Bündel herbei, steck ­ ten nun so ein Bündel an und hielten ihn unter das Bierfaß. Doch nach jedem abgebrannten Bündel kam nur so ein halbes Gläschen voll Bier heraus. Nach langem Hin- und 'Herüberlegen packte der Baßbläser das Faß auf den Ast und die ganze Ka ­ pelle folgte ihm in das erste Haus. Hier wurde nun alles aufge ­ taut und schnell wurde das Faß nach Musikantenart geleert. Nach kurzer Zeit waren auch die Instrumente wieder aufgetaut und nun erklangen süße und ernste Weisen. Trotz der Kälte war die Feier sehr schön und auch der Onkel Lorenz hätte sich bestimmt sehr darüber gefreut, wenn er das noch gesehen hätte. Leider war es ihm nicht vergönnt, diesen schönen Tag noch zu erleben. Ob nun der Äsbrands Doktor was für sein Wurstefett bekommen hat, ist mir nicht bekannt geworden. Wenn ihr. liebe Soldaten, in Urlaub kommt, dann könnt ihr ihn ja mal f rsl 9 cn ’ Euer Ortsgruppenleiter Steinba ch.