25 insbesondere die ganze alte kursächsische Kultur in Stücke geschlagen hatte, so kann man doch den Zweifel nicht los werden, ob nicht der große König auch in anderer Form als durch militärische Machtentfaltung sich und sein Land hätte durch ­ setzen können. Gewiß hat der Umstand, daß er in sieben Jahren sieh gegen eine Welt von Feinden mit Erfolg gewehrt hat, seinem Lande eine reiche Provinz und ihm selbst Unsterblichkeit ein ­ getragen, aber man darf gleichzeitig nicht vergessen, daß er als früh verbrauchter und vollkommen verbitterter Mensch aus dem langen Kriege heimkehrte und als Einsiedler sich zurückzog und sein Leben beschloß. Da ist man wohl berechtigt, zu fragen, ob nicht er, der heitere Lebcnskünstler und geniale König, auch durch hervorragende Friedensschöpfungen seinem Lande eine hervorragende Stellung und sich selbst Unsterblichkeit hätte sichern können. Friedrich war der größte Hohenzollern-König und hat sein Geschlecht mit Macht und Glanz bekleidet und es in die vorderen Reihen der europäischen Dynastien gestellt. Für die Wohlfahrt seiner Untertanen, die ihm das Material für sein Machtgebäude waren, hat er gleichfalls manches getan, aber die Untertanen bildeten nur insofern den Gegenstand seiner Fürsorge, als man mit gutem Material besser bauen kann als mit schlechtem. Mit anderen Worten; die Macht der Dynastie war ihm der höchste Staatszweck; die Beförderung der Landeskultur, der Industrie, des Handels, der Landwirtschaft, die Vermehrung des allgemeinen Wohlstandes, Verbesserung der Rechtspflege usw. kamen nur als Mittel zu jenem Zweck in Betracht. — Fried ­ rich II. ist kein Verschwender gewesen wie sein Großvater, kein Tyrann wie sein Vater, kein Wüstling wie sein Neffe Friedrich Wilhelm II. Er überragt alle seine Nachfolger, wie die Fichte das Buschholz. Doch kein Hohenzoller hat auch mehr die bürgerliche Freiheit geschädigt. Durch seine Gesetzgebung imprägnierte er Preußen mit dem Geiste des Kastenwesens und des sklavischen Gehorsams. Die Eintracht der Klassen, die Sicherheit der Interessen, die staatliche Ordnung gründete er auf die Unterdrückung. Dem Absolutismus hat er mit dem