2. Aufzug. Martha und Liesbeth in einem Zimmer in der Stadt. Martha ist städtisch gekleidet, Liesbeth trägt die Tracht ihrer Heimat. Martha: Du Liesbeth, so möcht ich's auch mal haben wie unsere Frau. Bei Tage gute Geschäfte machen, abends ins Opernhaus und Schauspielhaus gehen und tanzen, daß es eine Lust ist. Immer etwas Anderes. Feine Toiletten anziehen, wie meine Gnädige ihre Kleider nennt, Brillanten an den Fingem tragen, Auto fahren, einen Chauffeur haben, ja das ist ein feines Leben. Was meinst Du dazu, Lieschen? Liesbeth: Es kanns nicht jeder so haben, Unterschiede inuß es geben. Das ist nun mal so auf der Welt. Ich bin auch s o zufrieden. Martha: Dummes Ding! Komm mal her, bin ich schön ge ­ kämmt? Nächste Woche lasse ich mir mein Haar ab ­ schneiden. — Bubikopf wird mir gut stehen, wie denkst du? Liesbeth: Es steht dir sicher gut. aber du änderst deine Frisur ja jede Woche, dann mußt du aber dein Haar bei jeder neuen Veränderung erst wieder wachsen lassen. Martha: Was du heute nur wieder hast, Liesbeth. Dich ärgert schon die Fliege an der Wand. Nun bist du hier, nun heul doch auch mit den Wölfen, initgefangen, mit ­ gehangen! Liesbeth: Das ist meine Art nicht. Martha: Dumm genug! Liesbeth: Guck, Martha, ich weiß wohl, was du meinst! Dir paßt es nicht, daß ich dem Jungen, der gestern abend mit uns ging, eine Ohrfeige gab. Aber ich konnte doch nicht anders, ich mußte ihm eine leuchten. Der wollte nichts Gutes von mir, das fühlte ich. Ich habe