- 9 - Schöneberg geschauten Bilder prägten sich von neuem Dorothea tief ein. Besonders die Märchen aus dem Munde ihrer nahen Ver- ­ wandten in Schöneberg, stammend aus deren Heimat an den Ufern der Mosel, offenbarten in späteren Jahren noch manch fremd- ­ ländische und temperamentvolle Erscheinung. Dorotheas Phanta- ­ sie mag der fruchtbare Boden gewesen sein, in welchem der gol- ­ dene Samen der wunderbaren Märchenwelt eine besondere Pflege- ­ stätte gefunden hat. Sie Verdankt ihre Beredsamkeit dem er- ­ erbten gallischen Temperament. Das Gehörte fasste in der offe- ­ nen Seele des Kindes noch tiefere Wurzeln, wenn beim Erzäh- ­ len leise der Abendwind säuselte, das Rauschen der Bäume und Sträucher die abendliche Stille unterbrach, und der helleuchten- ­ de Mond für kurze Zeit die eilenden Wolkenfetzen zerriss. Als ein besonderes Erlebnis in Schöneberg galt für Dorothea der Besuch des Gotteshauses. Schon der Eintritt mit den Kolonisten in das kleine ehrwürdige Kirchlein von Schöne- ­ berg war für ihre empfängliche Seele ein überwältigendes Er- ­ eignis; dazu kam die Predigt, die damals und bis ins Jahr 1822 hinein in der Sprache ihrer glaubensstarken,französischen Vorfahren gehalten wurde. Doch gar zu schnell war die Ferienzeit in Schoneberg für die Pierson-Jugend vergangen und wieder wurden sie von den Grosseltern und Eltern in dem grossen Anwesen der Knallhütte bei Rengershausen freudig und herzlich in Empfang genommen. Dorothea aber stand lebendig vor Augen die Gestalt des 1686 aus Metz / Lothringen als Hugenotte um seines Glau- ­ bens willen geflohenen Stammvaters Monsieur Isaak Pierson erster Gemeindevorsteher der Kolonie Schöneberg.