34* TOR 221 Im innersten Heiligtum der göttlichen Wahrheit, wo ihm seiner Erwartung nach alle Welt und er selber sich zum Gleichnis herabsinken müßte für das, was er dort erblicken wird, erblickt so der Mensch nichts andres als ein Antlitz gleich dem eigenen. Der Stern der Erlösung ist Antlitz worden, das auf mich blickt und aus dem ich blicke. Nicht Gott, aber Gottes Wahrheit ward mir zum Spiegel. Gott, der der Letzte ist und der Erste, er schloß mir die Pforten des Heiligtums auf, das in der innersten Mitte erbaut ist. Er ließ sich schauen. Er führte mich an jene Grenze des Lebens, wo die Schau verstattet ist. Denn kein Mensch bleibt im Leben, der ihn schaut So mußte jenes Heiligtum, darin er mir sich zu schauen verstattete, in der Welt selber ein Stück Überwelt, ein Leben jenseits des Lebens sein. Aber was er mir in diesem Jenseits des Lebens zu schauen gab, das ist — nichts andres als was ich schon in der Mitte des Lebens vernehmen durfte; nur daß ich es schaue, nicht mehr bloß höre, ist der Unterschied. Denn die Schau auf der Höhe der erlösten Überwelt zeigt mir nichts andres, als was mich schon das Wort der Offenbarung mitten im Leben hieß; und im Lichte des göttlichen Antlitzes zu wan ­ deln, wird nur dem, der den Worten des göttlichen Mundes folgt. Denn — »er hat dir gesagt, o Mensch, was gut ist, und was verlangt der Ewige dein Gott von dir als Recht tun und von Herzen gut sein und einfältig wandeln mit deinem Gott«. Und dies Letzte ist nichts Letztes, sondern ein allzeit Nahes, das Nächste; nicht das Letzte also, sondern das Erste. Wie schwer ist solch Erstes! Wie schwer ist aller Anfang! Recht tun und von Herzen gut sein — das sieht noch aus wie Ziel. Vor jedem Ziel kann der Wille noch erst ein wenig ver ­ schnaufen zu müssen behaupten. Aber einfältig wandeln mit deinem Gott — das ist kein Ziel mehr, das ist so unbedingt, so frei von jeder Bedingung, von jedem Erstnoch und Über ­ morgen, so ganz Heute und also ganz ewig wie Leben und Weg, und darum so unmittelbar der ewigen Wahr ­ heit teilhaft wie Leben und Weg. Einfältig wandeln mit deinem Gott — nichts weiter wird da gefordert als ein ganz