DIE STRAHLEN ODER DER EWIGE WEG 47 1 der eignen Seele. Nur ihr wird in der Taufe ewiges Leben verbürgt; nur in ihr wechselt so ewig Erhaltung und Erneue ­ rung. Der Welt ist kein ewiges Leben verliehen; an ihr bricht der Kreis des einzelnen Lebens auseinander und fließt hinein in die Spirale einer Geschichte, in der über die ewige Erhal ­ tung und Erneuerung der Seele ständig der säkulare Fortschritt der Welt Gewalt gewinnt. Das Kirchenjahr rundet sich nur dem Einzelnen; für ihn gibt es ein Zuhause. Aber der Welt und ihren Jahren und Jahrestagen ist das Kirchenjahr nur eine Herberge, die wohl offen steht für alle diese Gäste, die aber noch jeder Gast wieder verließ. Das ewige Volk ruht schon im Hause des Lebens; die Völker der Welt bleiben auf dem Weg. Nur die Seele hat schon nachhause gefunden. Sie weiß daß ihr Erlöser lebt, nicht weniger gewiß als sie es im ewigen Volk weiß. Ihr schließt sich der Kreis des Jahrs. Ihr schließt sich das Jahr im Wechsel von Erhaltung und Erneuerung. Die christliche Welt, schon das christliche Volk leben in der Spirale der Weltgeschichte. Sie wissen, daß ihre Erinnerungstage Marksteine ihres Weges sind und mit den Jahrhunderten wechseln. Aber der Einzelne schaut nicht so weit. Er ist zufrieden, wenn ihm der eigne Namenstag all ­ jährlich im Kalender wiederkehrt. Ihm bedeutet die Kreuzung der beiden Richtungen, der göttlichen und weltlichen, in dem einen Kirchenjahr, jene Kreuzung, deren allgemeiner Schnitt ­ punkt der Neujahrstag ist und an deren persönlichem Schnitt ­ punkt er selbst steht, er selbst, dem gesagt ist, daß alles sein ist, er aber Christi, — ihm bedeutet sie grade die Rundung seines Lebens. Er weiß sich als ein Ganzer nur in dieser Zweieinigkeit seines Wesens. Und die Bürgschaft dieser Einigkeit, das Band, das beides in ihm. Weltkind und Gottes ­ kind, zusammenschlingt, ist dann der Ring des Jahrs, in dem allein er die beiden Reiche, das Reich der Kirche und das Reich der Welt, als eine immer wiederkehrende Einheit erlebt. Sein Leben selbst wird ihm daran erst eines. Es ist das }a von Haus aus mit nichten. Es geht von Jahrzehnt zu Jahr ­ zehnt durch wechselnde Alter. Vor Gott sind alle Alter gleich.