DRITTER TEIL: ZWEITES BUCH 446 werk zur Einsamkeit verurteilt auch gegen seinesgleichen; denn die »Idealität« seines Raumes bestand darin, daß er nur dieses Kunstwerks eigener Raum war, wie denn aller »Idea ­ lismus« mit seinem vorgeblichen Zugutsein für die Wirklichkeit in Wahrheit meist nur eine Flucht vor der allzugemeinsamen Wirklichkeit ins Traumland der Eigensucht ist; und so kommen auch die idealen Räume mehrerer Kunstwerke aus sich heraus nicht zusammen. Erst indem die Werke aus dem magischen Bannkreis ihres idealen Raums heraus und in einen wirklichen Raum hinein ­ gestellt werden, erst damit werden sie selber vollwirklich und hören auf, bloß Kunst zu sein. Nun aber gibt es nur eine Art vollwirklichen Raums in der Welt; denn der Raum, in dem die Welt selber wohnt, ist — zwar nicht von ästhetischer, aber von »transzendentaler« »Idealität«: seine Wirklichkeit ist nur wirk ­ lich in ihrem Verhältnis zu ihrem Qedachtwerden, aber nicht zum — Geschaffensein. Geschaffen ist nur die Welt, und der Raum wie alles Logische nur als ihr Teil; der Raum, in dem die Welt wäre, also der Raum der Mathematiker, ist nicht geschaffen. Daher es kommt, daß wenn man, wie es Mathe ­ matik und Physik tun, die geschaffne Welt unter den Formen des Raums betrachtet, man sie notwendig ihrer schlechthin- nigen, über alle Möglichkeiten hinausgehobnen Tatsächlichkeit, die sie als Schöpfung hat, entkleidet und sie zum Spielball der Möglichkeiten verrelativisiert. Vollwirklich ist erst der Raum, den auf Grund der geoffenbarten Raumrichtungen und Raum ­ verhältnisse von Himmel und Erde, Zion und aller Welt, Beth- lehermEphrata und den Tausenden Judas, die Baukunst schafft: erst von ihm aus, von den Punkten, die der Baumeister auf der Erdoberfläche, und den Maßen und Richtungen, die er inner ­ halb des Bauwerks festlegt, strahlt ein fester, unverrückbarer, ein geschaffner Raum, wo klein und groß, Mitte und Enden, oben und unten, Osten und Westen gilt, auch hinaus in die bis dahin zwar geräumige, aber selber unräumlich geschaffne Welt und verräumlicht sie. Und wiederum ist es unter den Gebäuden nur die eine Art, die Raum schlechthin ist, nämlich nicht in Räume zerfällt, die