DRITTER TEIL: ERSTES BUCH 378 Eigentum der Heimat bestritten: es selbst ist nur ein Fremd ­ ling und Beisaß in seinem Lande; »mein ist das Land«, sagt ihm Gott; die Heiligkeit des Landes entrückt das Land seinem unbefangenen Zugriff, solange es zugreifen konnte; sie stei ­ gert seine Sehnsucht nach dem verlorenen ins Unendliche und läßt es hinfürder in keinem andern Land mehr ganz heimisch werden; sie zwingt es, die volle Wucht des Willens zum Volk in den einen Punkt zu sammeln, der bei den Völkern der Welt nur einer unter andern ist, dem eigentlichen und reinen Lebens ­ punkt, der Blutsgemeinschaft; der Wille zum Volk darf sich hier an kein totes Mittel klammern; er darf sich verwirklichen allein durch das Volk selber; das Volk ist Volk nur durch das Volk. Aber ist denn das eigne Land, das Gebiet, das einzige worauf sich außer auf dem Blut die Volksgemeinschaft gründet? Tragen die Völker nicht, unter welchen Himmel sich ihre Kinder auch entfernen, mit sich ein lebendigeres Merkmal der Zusammengehörigkeit, die eigne Sprache? Die Sprache der Weltvölker ist, so scheint es, nicht an irgend ein Totes, Äußeres gebunden; sie lebt mit dem Menschen zu ­ sammen, mit dem ganzen Menschen, mit der, solange er lebt, unzertrennlichen Einheit seines leiblich=geistigen Lebens. So wäre die Sprache freilich nicht gebunden an irgend ein Äuße ­ res. Aber wäre sie deshalb weniger vergänglich? Wenn sie gebunden ist unmittelbar an das Leben des Volkes, wie ge ­ schieht ihr dann, wenn dies Leben stirbt? Nicht anders als ihr auch geschieht, solang es lebt: sie lebt auch dieses Letzte seines Lebens mit, sie stirbt mit. Die Sprache der Völker folgt bis ins allerfeinste dem lebendigen Wechsel der Schicksale des Volks, aber diese Nachfolge des Lebendigen reißt sie auch mit hinein in das Schicksal des Lebendigen, zu sterben. Sie ist lebendig, weil sie — sogar sterben kann. Ewigkeit wäre ihr ein böses Geschenk; nur weil sie nicht ewig ist, nur weil sie getreu die wandelnden Zeiten des durch seine Lebensalter wachsenden Volks und seine Schicksale unter den Völkern spiegelt, nur deshalb verdient sie das Lebendigste des Volks,