37° DRITTER TEIL: EINLEITUNG starr blieben, aus dem engen Hier zur Ewigkeit erweiterten. Den Mehr=als=Nächsten, sein Selbst, lernte der Beter, also betend, lieben; sein Selbst nicht als verschlossenes starres Selbst, sondern als die in das Schicksal der Welt mit dem eignen Schicksal eingewobene Persönlichkeit. Betete er nicht um dieses Vollendendürfen des Tagwerks seiner Hände, — es würde ihm wohl erfüllt, worum er bittet, denn er bittet nur um das, was ihm reif zur Erfüllung ist, und jedem andern würde gleichfalls das Seine erfüllt, aber aus all diesen einzelnen Erfüllungen wüchse nicht die ewige Erfüllung; aus allem ein ­ zelnen Leben nicht das ewige Leben; es ist dafür gesorgt, daß bei allem Wachstum durch die Zeit der Baum des Lebens nicht in den Himmel wachse. Aber das Gebet der Gemeinde, nicht zum eignen Schicksal, sondern unmittelbar zum Ewigen, der das Werk nicht meiner und deiner und seiner, sondern »unserer« Hände fördern möge, auf daß Er, nicht auf daß »ichs vollende«, — dies Gebet, das über alles Einzelne hinweg auf das Allgemeinsame und nur auf es schaut, reißt das Ewige mit starkem Griff herein in den Augenblick und beschenkt das einzelne, in diesem Augenblick im ungläubigen Gebet ganz lebendig gewordene Stück Leben mit dem herabgeholten Fun ­ ken des ewigen Lichts, der in ihm bleibt als Same ewigen Lebens. Das Gebet um das Rommen des Reichs vermittelt also zwischen Offenbarung und Erlösung, oder richtiger zwischen Schöpfung und Offenbarung einerseits und Erlösung andrer ­ seits, ähnlich wie das Wunderzeichen zwischen Schöpfung und Offenbarung. Und wie dies Verhältnis innerhalb der Welt der Offenbarung zugleich auch das Verhältnis der urgeschaf- fenen Vorwelt zur offenbaren Welt umschrieb, so nun auch das dieser offenbaren Welt einerseits, einschließlich der ja eben durch das Wunder in sie eingegangenen Vorwelt, zur er ­ lösten Überwelt. Das Gebet ist die Kraft, die über die »Schwelle« aus dem stummgeschaffnen Geheimnis des Eigen ­ wachstums des Lebens und dem sprachbegabten Wunder der