368 DRITTER TEIL: EINLEITUNG und für den Menschen frei gesetzten Gesetz der Kultur der Erde ist das Ewige bloß abgebildet, bloß als irdische Ewigkeit. Aber nicht umsonst ist das Wort für Kultur und Kult, Erd ­ dienst und Gottesdienst, Bau des Ackers und Bau des Reichs in der heiligen Sprache ein und dasselbe. Die Woche ist mehr, als was sie als menschgesetztes Gesetz der Kultur ist: irdisches Gleichnis des Ewigen; als gottgesetztes Gesetz des Kults zieht sie das Ewige nicht bloß gleichnishaft, sondern in Wirklichkeit hinein ins Heute. Sie kann Keimzelle des Kults sein, weil sie die erste reife Frucht der Kultur ist. Weil sie die rein menschlichdrdische Befestigung des flüchtigen Augen ­ blicks ist, deshalb geht von ihr alle göttlich=überirdische Ver ­ ewigung des Augenblicks aus. Von ihr aus werden dann auch der Tag, auch das Jahr Menschenstunden, zeitliche Behau ­ sungen, in die das Ewige eingeladen wird. In der alltäglich» allwöchentlich-alljährlichen Wiederholung der Kreise des kul ­ tischen Gebets macht der Glaube den Augenblick zur »Stunde«, die Zeit aufnahmebereit für die Ewigkeit; und diese, indem sie Aufnahme in der Zeit findet, wird selber — wie Zeit. Wie aber wohnt denn im Gebet diese Kraft, zu erzwingen, daß die Ewigkeit der Einladung Folge leistet? Ist denn der Kult mehr als bloß ein Zurüsten der Speisen und Getränke, ein Decken des Tischs, ein Aussenden des Boten, der den Gast bitten soll? Wohl verstehen wir, daß die Ewigkeit im Kult Zeit werden kann, aber daß sie es werden muß, daß sie mit magischer Gewalt genötigt ist, es zu werden — wie sollen wir das-verstehen? Auch der Kult scheint nur das Haus zu bauen, worin Gott Wohnung nehmen mag, aber kann er den hohen Gast wirklich nötigen, einzuziehen? Ja, er kanns. Denn die Zeit, die er bereitet zum Besuch der Ewigkeit, ist nicht die Zeit des Einzelnen, nicht meine, deine, seine geheime Zeit; sie ist die Zeit Aller. Tag, Woche, Jahr gehören allen gemeinsam, sind gegründet im Weltlauf der alle geduldig tragenden Erde und im Gesetz der allen gemeinsamen Arbeit an ihr. Der Glockenschlag der Stunden kommt zu jedem Ohr. Die Zeiten, die der Kult bereitet, sind keinem eigen ohne alle andern. Das