VOM REICH 22 in seiner Einzigartigkeit in der geschaffenen Welt, nach vor ­ wärts in seiner ununterbrochen in der zu erlösenden Mensch ­ heit fortwirkenden Kraft vorstellig gemacht, wirklich den ein ­ zigen Inhalt bildet. Was meint denn also dem allem gegenüber der Goethesche Ausspruch mit seiner merkwürdigen Verflech ­ tung des Goetheschen »Heidentums« mit der Nachfolge Christi? Die Nachfolge Christi hatte zunächst, wenn der Christ sein Leben ebenso unbedingt, ebenso dem Schicksal der ganzen Welt verbunden leben wollte, bedeuten müssen, daß er für ein solches Leben erst einmal die äußere Möglichkeit schuf. Denn zunächst sah das Christentum, indem es mit dem Willen zu solchem Leben hinaus in die Welt trat, in dieser das ent ­ gegengesetzte Lebensgesetz auf dem Throne sitzen. Zwar trat es nicht, wie es noch wenige Jahrhunderte zuvor und wieder wenige Jahrhunderte hernach geschehen wäre, in eine in Völ-, ker, Stämme, Städte auseinandergebrochene Welt, eine Welt, deren Teile schon als Teile jeder für sich ein eigenes, in sich selber bedingtes, weltfremdes Leben führten; sondern die Welt, wenigstens die westliche, nach der ja die Sendboten des Christentums allein hinauszogen, war geeinigt unter dem Szepter des Cäsar. Aber in dieser Einheit bot sie nur schein ­ bar und nur äußerlich dem Christentum günstigen Boden. Denn ihre Einheit war nicht die Einheit der Welt; die Grenzen des Imperiums umspannten nicht, wie es wohl prahlerisch sich selber vorzureden suchte, die Ökumene, die menschenbesiedelte Welt. Und daß sie das nicht taten, war nicht etwa nur eine Unzulänglichkeit gegenüber der eigenen, dennoch grundsätz ­ lich festgehaltenen Absicht. Sondern in den Grundstein dieses Staatsbaus hatte sein Baumeister, der Kaiser Augustus, den Gedanken der Beschränkung auf den Vorgefundenen Besitz hineingelegt; nur grenzsichernde Abrundungen sollten ge ­ stattet sein; nur um den Umwohnenden den Geschmack an Angriffen zu nehmen, wurden die Adler über die Grenzen ge ­ tragen; dem großen Reich des fernen Ostens gleich, das ja