VOM REICH 349 verströmen, sein enges Dasein hier zur Ewigkeit zu er ­ weitern, und er tuts; aber er fühlt sich in diesem Verlangen als Diener seines eignen Geschicks, und wenn er bereit ist, die Mauern der eigenen Person niederzulegen, — den heiligen Be ­ reich des eigenen Schicksals glaubt er nicht verlassen zu können und zu dürfen. Was ists also — abermals fragen wir es — mit dem eigenen Schicksal? Der Mensch ist ein unteilbarer Teil der teilereichen Welt. Die Welt wächst durch ihre Alter. Sie hat ihr eigenes Schick ­ sal. Das Schicksal des Menschen ist ein Teil in diesem Schick ­ sal. Aber es geht nicht darin auf. Es löst sich nicht darin. Es ist zwar ein Teil, aber ein unteilbarer. Der Mensch ist Mikro ­ kosmos. Und so ist sein Schicksal im Schicksal der Welt, das in den Altern ihres Wachstums heranreift, gleich einem be ­ stimmten Augenblick im Stronie der Zeit: man kann ihn nicht vertauschen, nicht verschieben, nicht auflösen in dem Ganzen des Stroms, er ist ein Teil dieses Ganzen, aber ein unauflös ­ barer, unteilbarer. Ein Augenblick in den Altern der Welt, deutlicher vielleicht: eine Stunde; denn dies Schicksal ist voll von mannigfaltigem Inhalt, und die Stunde, die geschlagene Stunde, ist ja die Zeit, die der Mensch selber in den Zeitlauf der himmlischen Zeichen wie ein Stehendes hineinstellt als Gefäß des eignen zusammenhängenden Erlebens, dessen klein ­ stes, noch nicht eigenes, erst anzueignendes Element bloß, nichts weiter, der Augenblick ist. Diese eigene Stunde in den wachsenden Altern der Welt, die Stunde, die ihm geschlagen, sie also ist es, die der Mensch erfaßt, der zum eigenen Schick ­ sal betet. Und weil das so ist, so wird dies Gebet stets erfüllt. Indem es gebetet wird, schlingt es sich hinein in das Welt ­ schicksal und ist nie fehl am Ort, nie überreif, nie unreif. Weil es in der eigenen Stunde geschieht und gar nicht zu einer fremden Stunde geschehen kann, denn es ist eben Gebet zum eigenen Schicksal, und nicht zu einem fremden, so ist es stets in der angenehmen Zeit, der Zeit der Gnade, und ist erfüllt, wie es gebetet wird. Es wird erfüllt von der Welt her; es ist, indem der Mensch darin in das eigene Schicksal eingeht, zu ­