SCHWELLE 3£7 nur indem sie wird. Und sie wird nur als Einheit Gottes; nur Gott ist — nein eben: nur Gott wird die Einheit, die alles vollendet. Wie ist es denn aber mit der Welt, mit dem Menschen? Gibt es für sie keine eigene Einheit als die des Eingehens in den Welttag des Herrn? Bedeutet ihnen Schöpfung, Offen ­ barung, Erlösung das gleiche, was es Gott bedeutet? Denn zwar für Gott sind die Zeiten jenes Tages eigne Erlebnisse; ihm ist die Schöpfung der Welt das Schöpferwerden, die Offen ­ barung das Offenbarwerden, die Erlösung das Erlöserwerden. So wird er bis zum Ende. Alles was geschieht, ist an ihm Werden. Und da doch alles, was geschieht, gleichzeitig ge ­ schieht und in Wahrheit die Offenbarung ja nicht jünger als die Schöpfung ist und schon deswegen auch die Erlösung nicht jünger als beide, so ist jenes Werden Gottes für ihn kein Sich- verändern, kein Wachsen, kein Zunehmen, sondern er ist von Anfang an und ist in jedem Augenblick und ist immer im Kommen; und nur wegen dieses Zugleichs seines Immer ­ während-, Allzeit- und Ewigseins muß man das Ganze als ein Werden bezeichnen. Also nur, daß Gott nicht bloß einmal gewesen ist, und sich nun bescheiden hinter ewigen Gesetzen verbärge, oder daß Gott nicht bloß in den Augenblicken ist, wo einer ganz von der Himmelsglut des Gefühls selig ist, — nur dies, nicht etwa, daß er »erst noch werden müßte«, sagen wir, indem wir sagen daß er in Ewigkeit wird. Die Ewigkeit macht eben den Augenblick zum Immerwährenden; sie ist die Verewigung. »Gott ist ewig« bedeutet also: für ihn ist die Ewigkeit seine Vollendung. Aber noch einmal: ist sie das auch für die Welt, für den Menschen? Mit nichten. Um ewiges Leben zu erlangen, müssen sie freilich in den Welttag des Herrn eingehn. Die Unsterblichkeit wird ihnen erst in Gott. Aber der Grund ihrer Vollendung ist ihnen nicht erst in der Ewigkeit der Erlösung gelegt, dort blüht die Pflanze des ewigen Lebens auf, aber gepflanzt ist sie in anderem Boden. Gepflanzt ist nämlich die Pflanze der Ewigkeit dort, wo der gemeinsame Grund liegt, dessen Festigkeit es allein er-