2q8 ZWEITER TEIL: DRITTES BUCH meinschaft und dem Menschen in der Gemeinschaft noch nicht möglich, nur um das Kommen des Reichs zu beten; dies Gebet ist noch verdunkelt und verwirrt von mancherlei andern Bitten, um Vergebung der Sünde, um das Reifen der Erdfrucht, kurz um alles das, was die Rabbinen sehr tief als Bedürfnisse des Einsamen bezeichnen. Ja es sind Bedürfnisse des Ein ­ samen. Wäre der Einzelne schon wirklich vereinigt mit aller Welt, wie er es in Preis und Dank vorwegnimmt, so würden all diese Bedürfnisse von ihm abgefallen sein. Sie sind das Zeichen, daß er das Erdöstsein von den Banden des Bedürf ­ nisses in der allgemeinen Verbindung seiner Seele mit aller Welt in Preis und Dank nur vorwegnimmt und daß also die Erlösung ganz und gar ein noch Kommendes, Zukunft ist. Die Zukunft also hat hier die Bedeutung, die für die Offen ­ barung die Gegenwart, für die Schöpfung die Vergangenheit hat. Aber während die Gegenwart für die Offenbarung ein Grundbegriff ist und also ganz zu Beginn der »Wechselrede« erschien, und die Vergangenheit für die Schöpfung der ab ­ schließende Begriff war und also das Ziel der ganzen »Erzäh ­ lung«, taucht die Zukunft für die Erlösung nur so mitteninne und fast nebenbei auf. Es ist eben für die Zukunft entschei ­ dend, daß sie vorweggenommen werden kann und muß. Diese Vorwegnahme, dies Heute, diese Ewigkeit des Danks für Gottes Liebe — denn sie »währet ewiglich« —, Ewigkeit, wie wir es erklärten, nicht »sehr lange«, sondern »heute schon«: das ist der eigentliche melodische Inhalt der Strophe des ge ­ meinsamen Gesangs, in der die Zukunft nur wie eine regel ­ mäßig die Melodie umspielende Begleitfigur auftrat. Wenn nun ein Nochnicht über aller erlösenden Vereinigung geschrieben steht, so kann das nur dazu führen, daß für das Ende zunächst der grade gegenwärtige Augenblick, für das Allgemeine und Höchste zumächst das jeweils Nächste ein- tritt. Das Band der vollendeten und erlösenden Verbindung von Mensch und Welt ist zunächst der Nächste und immer wieder nur der Nächste, das zumächst Nächste. In den Gesang Aller fügt sich hier also eine Strophe, die nur von zwei ein ­