ERLÖSUNG 285 es, was sich im Lebendigen zu einem Dauernden, Gestalteten, Festen macht. Während jene Fülle unter dem Zeichen des Nein entsprang, also vergänglich an sich war, verlangt das Lebendige, wie es nun unterm Zeichen der Bejahung hervor ­ trat, nach Ewigkeit. Es will in seiner Gestalt beharren. Ohne jene bestürzende Fülle des Kosmos nicht die gegründete Tiefe des lebendigen Reichtums. Wäre diese Fülle nur starres »Ge ­ gebenes«, wie es der Idealismus will, so wäre sie nicht der vorweltliche Boden, auf dem die Lebendigkeit des Reichs wachsen könnte; denn alles Flervortreten ins Offenbare muß innere Umkehr' sein; aus Starrem könnte also nur Beweg ­ liches, immer sich Verwandelndes wachsen. Nur aus der stets erneuten Fülle wächst die ruhig dauernde, ihre Gestalt aus Vergangenheit in Zukunft überliefernde Lebendigkeit. Nicht die Erzeugung eines toten Seins aus allgemeinem, denkmäßi ­ gem Gesetz, nur der plastische Kosmos in seiner ganz bunten Tatsächlichkeit kann sich zum Reich verkehren. Wie der cha ­ raktervolle Trotz des Helden allein die Wurzel war, aus der die Treue des gotthingegebenen und weltzugewandten Heili ­ gen aufschießen konnte, und der lebendige Gott des Mythos allein der Boden für den liebenden Gott der Offenbarung, so konnte nur im Weltreich des Kaisers Augustus, dieser politischen Verwirklichung des plastischen Weltbildes des Heidentums, das Heraustreten des Reichs Gottes in die Welt beginnen. Zur Lebendigkeit bestimmt ist die Welt schon von Anfang. Wie zum Wahrzeichen dieser Bestimmung verliert sich der Anfang des Organischen im Grau der Vergangenheit und ist selbst auf dem Wege des Schließens nicht zu fassen. Aber was so von uran lebendig ist, sind eben nur Zentren des Lebens. Die Lebendigkeit muß also zunehmen, mit innerer Notwendigkeit muß sie es; auch dieses Muß ist von uran. Zwar nicht fertig ist die Welt im Anfang geschaffen, aber mit der Bestimmung, fertig werden zu sollen. Die Zukunft ihres Fertigwerdens ist mit ihr zugleich geschaffen als Zukunft. Oder, um von dem Anteil der Welt allein zu sprechen, auf den das Fertigwerden