OFFENBARUNG 201 des Urja und des Urnein des göttlichen Nichts; und die Um ­ kehrung ist nur faßbar in der Umkehrung der Richtungen, die eben im einen Fall zusammen*, im andern auseinanderstrahlen. Aber das Ergebnis des Zusammentritts zweier Linien ist zwar nur ein Punkt, aber als erzeugter Punkt ein benennbares, ein bestimmtes, ein Etwas, wie der Punkt x, y innerhalb eines Koordinatensystems. Dagegen der Punkt, der nur bestimmt ist als der Ausgangspunkt von Richtungen, ist wie der Aus ­ gangspunkt eines Koordinatensystems O zwar festgelegt, aber nicht bestimmt, sondern nur Ursprung der im Koordinaten ­ system geschehenden Bestimmung. Daher kommt es, daß der Gott im Heidentum ein höchst lebendiges, sichtbares Antlitz hat und durchaus nicht als ein verborgener Gott empfunden wird, während der Glaube ganz deutlich spürt, daß er von einem Gott, der nicht offenbar würde, gar nichts weiß, sondern Gott an sich ihm ein »verborgener Gott« ist, derselbe Gott, der vor seiner Umkehr aus der Verborgenheit ins Offenbare dem Unglauben gar nicht verborgen schien. Grade an diesem verschiedenen Verhältnis zur Offenbarung wird der Standort des Heidentums erkennbar, wie wir ihn im ersten Teil durch ­ weg bestimmten: zwischen dem ursprünglichen Nichts als dem Urgrund des ursprünglichen Etwas und diesem ursprünglichen Etwas als dem zwar nicht offenbaren, sondern in sich ver ­ hüllten, aber dennoch sichtbaren Ergebnis jenes ursprünglichen Nichts. Sichtbar, obwohl nicht offenbar, nämlich sichtbar für den, dessen Augen von dem gleichen Dunkel umhüllt sind, in das sich jenes ursprüngliche Etwas verhüllt, und also angepaßt an dieses Dunkel. Wenn aber Gott — und entsprechendes werden wir später auch für die beiden andern Elemente der Vor=welt finden — für den Glauben, abgesehen von der Offenbarung, schlechthin verborgener Gott ist, innerhalb der Offenbarung aber sofort offenbar wird, also in die Gestalten seines Offenbarwerdens auseinanderfährt, verlieren wir dann da nicht aus den Händen, was wir schon zu halten glaubten: die elementare »Tatsäch ­ lichkeit« Gottes? Wenn Gott nur verborgener Ursprung