i8o ZWEITER TEIL: ERSTES BUCH Durch dieses Versagen aber der Sprache gerade im ersten Augenblick ist ihr das harmlose Selbstvertrauen gelähmt, mit dem sie in der Schöpfung sich als das nie versagende Werk ­ zeug des Geistes wußte; die idealistische Welt ist nicht durch das Wort geschaffen, sondern durch das Denken. Nur im »reinen Denken«, nämlich nur in einem dem Naturboden der Sprache entfremdeten, dialektisch Gegensätze erdenkenden Denken ist der Übergang vom Ich zur Eigenschaft, wie ihn der Idealismus zugrunde legt, zu erfassen. Und da dieser erste Übergang entscheidend ist für alle späteren Übergänge, so bleibt das Mißtrauen gegen die Sprache und ihre scheinbare »Übereinstimmung« mit dem Denken dauernde Erbschaft des Idealismus und treibt ihn immer weiter auf der schiefen Ebene seiner »reinen«, sprachfremden, hintermenschlichen Logik. Das Ding an sich ist der andere Pol der idealistischen Welt, dessen Vorhandensein schon der Begriff der Erzeugung eigentlich fordert. Man könnte ihn mit B=B bezeichnen, so daß A=B eingeschlossen wäre zwischen ein zeugendes A=A und ein gebärendes B=B. Aber der Idealismus liebt diesen Hinweis auf ein ihm zugrunde liegendes dunkles Chaos des Besonderen nicht und sucht schnell davon wegzukommen. Die Gelegen ­ heit dazu gibt ihm ein Umstand, den wir schon in dem B=B an ­ gedeutet finden dürfen, das uns ja bekannt ist als Symbol des Selbst. Auch der Idealismus hat an diesem Punkte für eine kurze Weile die Unvergleichbarkeit und absolute Verschlossen ­ heit des Selbst bemerkt. Daß der unauflösbare Bodensatz der Welt und das Geheimnis des Charakters eine »gemeinsame dunkle Wurzel« haben, ist eine von Kant klar ausgesprochene Ahnung, deren eigentliche Bedeutung er freilich, als Idealist, nicht ahnen konnte. Die Gemeinsamkeit ist bezeichnet in dem Symbol B=B. Indem sich der Idealismus jetzt zu dem »Weg aufwärts« anschickt, mit dem er erst die kreisförmige Ge ­ schlossenheit erlangt, die ihm als das letzte Ziel für seine schlechthinnige Vernunftgemäßheit vorschweben muß (denn die Vernunft fühlt sich sicher erst in der Rückkehr in sich selbst), verläßt er möglichst schnell dieses Bereich der Ahnungen und