SCHÖPFUNG H7 10* liehe Notwendigkeit ist, so hat er, der »einsame Weltenmeister«, in der Schöpfung dem Künstler gleich ein Bedürfnis seiner Natur befriedigt, einer inneren Last sich entledigt. Ja dies wird noch weiter gesteigert, indem man, nicht zufrieden mit dem Begriff der Notwendigkeit, ihm einen Tropfen Leiden ­ schaft beimischt und die Schöpfung zu einer Tat sehnsüch ­ tiger Liebe macht. Sehnsüchtiger, nicht — obwohl auch das eine Verschiebung der Akzente wäre — überquellender. Wenn nicht um Gottes, dann sicher um der Welt willen sind solche Formulierungen abzulehnen; denn wie Gott in ihnen seiner inneren Freiheit beraubt wird, so geht die Welt ihres inneren Zusammenhangs in sich, ihrer Eigenständigkeit verlustig, die ihr ja durch den Gedanken der Schöpfung nicht genommen, sondern im Gegenteil in dem Mückentanz der Möglichkeiten gerade gesichert werden sollen. Sie würde, derart an Gottes Bedürfnis gebunden, allen eigenen Sinn, alle innere Eindeutig ­ keit verlieren, sie würde wie das Werk eines Bekenntnis ­ dichters ihr Wesen darin haben, weniger »selbständiges Kunstwerk« als vielmehr Zeugnis des über alle Werke merk ­ würdigen inneren Lebens des Urhebers zu sein. Und damit wäre sie nicht Schöpfung, nicht das in der metalogischen Welt geweissagte eigenwüchsige Gebild. Hier rettet der Begriff der göttlichen Willkür. Aber wie, sollen wir diesen Stein, den wir beim Aufbau des Schöpfer ­ begriffs ausdrücklich verwarfen, jetzt etwa zum Eckstein machen? Zum Eckstein mit nichten, und auch nicht »machen«, sondern: als Grundstein — erkennen. Denn zwar nicht in der Schöpfertat des Schöpfers ist Willkür, nicht in ihr, aber vor ihr in der Selbstgestaltung Gottes, die seiner Schöpfertat vor ­ hergeht. Die Macht des Schöpfers ist wesenhafte Eigenschaft, aber sie nahm ihren Ursprung aus der Willkür, die, nicht Eigenschaft, sondern Ereignis, unaufhörlich erneuter Flamme in Gottes Busen vor der Schöpfung loderte. Jenes geheime, vorschöpferische Sichselbstoffenbaren der göttlichen Freiheit,, die sich erst im Anprall an das Schicksalsmuß des göttlichen Wesens aus bedingungsloser Willkür in tatenreiche Macht