VOM ALL 2 7 wie jener Fluch, mit dem Kierkegards Qotteserlebnis anhub, bedeutet jener berühmte Satz: »wenn Gott wäre, wie hielte ich es aus, nicht Gott zu sein«. Noch nie hatte ein Philosoph so Auge in Auge mit dem lebendigen Gott gestanden, um so zu sprechen. Der erste wirkliche Mensch unter den Philo ­ sophen war auch der erste, der Gott von Angesicht zu An ­ gesicht sah — wenn auch nur, um ihn zu leugnen. Denn jener Satz ist die erste philosophische Gottesleugnung, in der Gott nicht mit der Welt unlöslich verbunden ist. Zur Welt hätte Nietzsche nicht sagen können: wenn sie wäre, wie hielte ich es aus, nicht sie zu sein. Dem lebendigen Menschen erscheint der lebendige Gott. Das trotzige Selbst schaut mit ingrim ­ migem Haß die alles Trotzes ledige göttliche Freiheit, die ihn, weil er sie für Schrankenlosigkeit halten muß, zur Leugnung drängt, — denn wie hielte er es sonst aus, nicht Gott zu sein. Nicht Gottes Sein, Gottes Freiheit treibt ihn zu dieser Selbst ­ verwahrung; über Gottes bloßes Sein, auch wenn er daran »glaubte«, könnte er lachend hinwegschreiten. So stößt das Metaethische, wie zuvor das Metalogische, das Metaphysische aus sich ab und macht es gerade dadurch als göttliche »Per ­ sönlichkeit«. als Einheit — nicht wie die menschliche Persön ­ lichkeit als Eins — sichtbar. Doch es mag genug sein an vorbereitenden Bemerkungen. Sowohl die zeitgeschichtlichen wie die begrifflichen Zu ­ sammenhänge ließen sich noch weiter ausspinnen, ohne daß dadurch mehr erreicht würde als — Vorbereitung. Indem wir das Voraussetzungsvolle des Gedankens, das Denken habe das All zu denken, erkannten, zersplitterte uns unversehens der bisher grundsätzlich einfache Inhalt der Philosophie, das All des Denkens und Seins, in drei getrennte, sich gegenseitig in verschiedener, noch nicht näher faßbarer Weise abstoßende Stücke. Von diesen drei Stücken — Gott Welt Mensch — wissen wir, soviel wir schon in freier Anknüpfung an das all ­ gemeine Bewußtsein der gegenwärtigen Zeit davon geredet haben, im strengen Sinne noch gar nichts. Es sind die Nichtse,